#ToxiTourMéxico - Berichte aus den Hotspots der Umweltzerstörung

Der Wasserfall des Rio Santiago. Foto: Martín Álvarez M.

Virtuelle Rundreise der mexikanischen Organisationen Centro Fray Julián Garcés und Un Salto de Vida vom 05.11.20 bis zum 27.11.2020

In den mexikanischen Industrie-Regionen Guanajuato, Hidalgo, Puebla, Jalisco, Tlaxcala und Veracruz leidet die Bevölkerung unter Gesundheitsschäden, die durch die Belastung von Wasser, Luft und Böden verursacht werden. Die Feinstaubbelastung liegt weit über den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerten. Tausende, meist in großen Industrieparks an Flüssen angesiedelte, Unternehmen leiten ihre Abwässer in der Regel ungeklärt in die Flüsse ein.

Die Organisation Centro Fray Julián Garcés macht seit vielen Jahren auf die sozio-ökologische Zerstörung der Umwelt in Tlaxcala aufmerksam. Tlaxcala gehört gemeinsam mit der Hauptstadtregion und den Bundesstaaten Mexiko und Puebla zu einem der vier wichtigsten Industriezentren („corredores industriales“) Mexikos. Studien konnten den direkten Zusammenhang zwischen den Abfällen aus der Industrieproduktion, der Verschmutzung des Flusses Atoyac und den Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung nachweisen. Gesundheitliche Auswirkungen sind vermehrt auftretende Fälle von Krebs, Nierenschäden, Fehlgeburten und Fehlbildungen bei Neugeborenen.

Die Organisation Un Salto de Vida setzt sich dafür ein, auf die Auswirkungen der Umweltverschmutzung durch die Abfälle von vor Ort ansässigen Firmen aufmerksam zu machen. Sie arbeitet in El Salto, im Bundesstaat Jalisco, gelegen am Fluss Santiago. Auffällig sind hier die hohen Sterblichkeitsraten und die hohen Konzentrationen von Blei, Cadmium und Quecksilber in Blut und Urin bei Kindern.

Eine Delegation unter Beteiligung von Europaparlamentarier*innen, internationalen Organisationen und Mitgliedsorganisationen der Deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko bereiste im Dezember 2019 die Region (#ToxiTour). Im Rahmen der Reise verschaffte sie sich ein Bild von der Situation in sechs von starken Umweltschäden betroffenen Regionen. Die Auswirkungen des Freihandels und der Tätigkeit transnationaler Unternehmen aus den USA und der Europäischen Union auf Menschen und Umwelt sind hier besonders stark. Die internationale Aufmerksamkeit trug dazu bei, dass sich im Nachhinein ein regelmäßiger Austausch der Betroffenen mit der mexikanischen Regierung, insbesondere dem Umweltministerium, etablierte. Ziele sind unter anderem die Renaturierung und Sanierung der Flüsse.

Vom 05.11.20 bis 27.11.2020 berichten Vertreter*innen von Centro Fray Julián Garcés und Un Salto de Vida über die dramatische Lage in ihren Regionen, machen die Beteiligung transnationaler Unternehmen an Umwelt- und Gesundheitsschäden sichtbar, weisen auf deren Mitverantwortung hin und diskutieren mit Entscheidungsträger*innen, Fachleuten und dem interessierten Publikum über Möglichkeiten, Veränderungen zu erreichen.

Die Veranstaltungen finden in München (7.11.), Berlin (13.11.), Leipzig (14.11.), Hamburg (18.11.), Frankfurt/M. (25.11.) und Köln (27.11.) teilweise als Präsenz-, teilweise als Online-Veranstaltungen statt. Da Reisen nach Deutschland auf Grund der Corona-Pandemie derzeit leider nicht möglich sind, werden die mexikanischen Referent*innen digital zugeschaltet.

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