BRASILIEN: Kritik an Münchener Rück wegen Belo-Monte-Staudamm

von Christian Russau/poonal

Ein europäisches Kampagnenbündnis gegen die Beteiligung europäischer Konzerne am umstrittenen Staudamm Belo Monte im brasilianischen Bundesstaat Pará hat in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Kritischen Aktionäre zwei Gegenanträge für die diesjährige Hauptversammlung der Aktionäre der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft eingereicht.

Unternehmensverantwortung werde nicht eingehalten

Darin fordern die Organisationen, auf der Aktionärs-Versammlung am 25. April in München dem Vorstand und Aufsichtsrat der Münchener Rück die Entlastung zu verweigern. Nach Ansicht der Organisationen verstößt der weltgrößte Rückversicherer durch seine Beteiligung am Belo-Monte-Staudammprojekt gegen UN- und internationale Richtlinien.

“Vorausschauendes und verantwortungsbewusstes Handeln ist für Munich Re selbstverständlich”, so steht es im "Corporate Responsibility-Bericht des DAX-Konzerns. Die Münchener Rück stelle sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz dar. Das tatsächliche Handeln der Munich Re, wie sie sich selbst auf Englisch bezeichnet, aber stehe dazu im Widerspruch, so die Organisationen in ihrem am 9. April 2013 auf ihren Webseiten veröffentlichten Gegenantrag.

Organisationen monieren Missachtung von UN-Leitprinzipien

Die Münchener Rück hat 25 Prozent der Rückversicherungssumme für den Bau des umstrittenen Staudamms Belo Monte in Brasilien übernommen und erhält dafür umgerechnet 15,5 Millionen Euro an Prämien über einen Zeitraum von vier Jahren. Die gesamte Rückversicherung von Belo Monte betrifft die Bauphase von geschätzt neun Jahren und deckt die bislang anvisierte Gesamt-Bausumme von umgerechnet 7,6 Milliarden Euro ab. “Die Rückversicherung deckt von der ersten Ingenieursleistung bis zur letzten gelieferten Maschine alles ab”, so Rodrigo Protásio, Vize-Präsident des am Projekt ebenfalls beteiligten Rückversicherers JLT Re.

Laut Ansicht der Organisationen missachtet der Vorstand der Münchener Rück mit der Beteiligung am Belo-Monte-Staudammprojekt UN-Leitprinzipien und Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Außerdem verstoße der Vorstand durch die Übernahme von 25 Prozent der Rückversicherung des Staudamms Belo Monte gegen die eigenen Prinzipien und Leitlinien.

Projekt wegen Umweltauswirkungen und Vertreibung umstritten

Durch das Staudammprojekt werden 400 Quadratkilometer Regenwald geflutet und unwiederbringlich zerstört, einzigartige Schutzgebiete vernichtet und große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt, so die Organisationen. Die Bundesstaatsanwaltschaft im brasilianischen Bundesstaat Pará habe in 15 bislang eingereichten Klagen gegen das Staudammprojekt Belo Monte auf die Vielzahl an Gesetzesbrüchen durch das Projekt hingewiesen. Zudem habe die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die unverzügliche Aussetzung des Genehmigungs- und Bauprozesses des Großprojektes Belo Monte gefordert, da die Rechte der indigenen Bevölkerung missachtet würden.

Durch den Bau des Staudamms werden Fachleuten zufolge bis zu 40.000 Menschen vertrieben, FlussanwohnerInnen, Indigene, Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ebenso wie BewohnerInnen der Armenviertel in der Stadt Altamira. Umweltzerstörung, Artenverlust, Menschenrechts¬verletzungen, die Ausbreitung von Armut und Krankheiten seien weitere Folgen, meinen die Organisationen. Das Aktionsbündnis wies außerdem darauf hin, dass auf dem Konzessionsgelände des Bauherrn Norte Energia vor kurzem von den Behörden ein Bordell entdeckt wurde, in dem Frauen, auch Minderjährige, zur Prostitution gezwungen wurden.

Kritik am Aufsichtsrat

Der Vorstand habe es versäumt, den seit Jahren in der Presse gegen das Staudammprojekt Belo Monte erhobenen Vorwürfe nachzugehen. “25 Prozent der Rückversicherungssumme ist ein signifikanter Anteil an dem gesamten Projekt Belo Monte. Damit zeichnet der Vorstand der Münchener Rück mitverantwortlich für die im Zusammenhang mit Belo Monte stehenden Vorgänge und kann damit nicht entlastet werden”, so das Netzwerk in dem Gegenantrag.

Auch dem Aufsichtsrat der Münchener Rück will das Bündnis im Namen des Dachverbands der kritischen Aktionäre die Zustimmung verweigern. Der Aufsichtsrat der Münchener Rück sei seiner Pflicht, den Vorstand bei der Führung der Geschäfte zu überwachen und zu beraten, nicht gerecht geworden, kritisieren die Organisationen. Der Aufsichtsrat habe Verstöße des Vorstands gegen UN-Leitprinzipien, Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und konzerneigene Prinzipien und Leitlinien nicht geahndet.

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