Mexiko: Zukunft ohne Genmais möglich 

– Forscher verweisen auf traditionelle Sorten

Mexiko: Zukunft ohne Genmais möglich – Forscher verweisen auf traditionelle Sorten

Mittwoch, 14. September 2011 | Mexiko |

Von Emilio Godoy– Mexiko-​Stadt | IPS | Mais ist eines der wich­tigsten Nah­rungs­mittel in Mexiko. Agrar­wis­sen­schaftler fanden heraus, dass sich das Getreide den dor­tigen Mexiko: Zukunft ohne Genmais möglich – Forscher verweisen auf traditionelle SortenKli­ma­ver­än­de­rungen bes­tens anpassen kann. Der Ein­satz von Gen­saatgut ist ihrer Ansicht nach überflüssig.

In Mexiko kommen etwa 60 tra­di­tio­nelle Mais-​Landrassen und 209 Varie­täten vor. Am häu­figsten wird weißer Mais ver­zehrt, wäh­rend gelber Mais als Tier­futter und zur Her­stel­lung von Corn­flakes oder Stärke ver­wendet wird.

 

Aus einer 2009 ver­öf­fent­lichten Studie der Natio­nalen Auto­nomen Uni­ver­sität von Mexiko (UNAM) geht hervor, dass sich der Mais an vier Orten im Land ent­wi­ckelt hat.

»Der Kli­ma­wandel wird unter­schied­liche Aus­wir­kungen haben, denn die Varie­täten haben sich sehr spe­zi­fi­schen Bedin­gungen ange­passt«, sagte Caro­lina Ureta vom UNAM-​Institut für Bio­logie im Gespräch mit IPS. »Einige Sorten gedeihen jetzt besser, andere werden dagegen unter den Folgen leiden.« Die Wis­sen­schaftler wollen nun beob­achten, wie sich Pflanzen unter ungüns­tigen Umständen weiterentwickeln.

Ureta arbeitet seit drei Jahren an einem For­schungs­vor­haben über die Folgen des Kli­ma­wan­dels für Mais­kul­turen in Mexiko. Nach ihren Erkennt­nissen werden sich die Anbau­flä­chen bis 2030 vor­aus­sicht­lich um 15 Pro­zent und bis 2050 um 30 Pro­zent ver­klei­nern. Vor allem der Norden Mexikos, wo ein tro­ckenes Klima herrscht, wird von diesen Ver­än­de­rungen betroffen sei.

Mais hat hohen tra­di­tio­nellen Stellenwert

In der Region Mesoame­rika, die sich vom Süden Mexikos bis nach Zen­tral­ame­rika erstreckt, hatte Mais bereits in der prä­ko­lum­bi­schen Zeit einen hohen kul­tu­rellen Stel­len­wert. Heut­zu­tage pflanzen etwa 3,2 Mil­lionen mexi­ka­ni­sche Bauern das Getreide an. Offi­zi­ellen Zahlen zufolge pro­du­zieren etwa zwei Drittel von ihnen das Getreide für den Eigenbedarf.

Die Klein­bauern pflanzen vor allem weißen Mais, den gelben kaufen sie als Tier­futter dazu. In diesem Jahr rechnet die Regie­rung mit Erträgen von rund 23 Mil­lionen Tonnen weißem Mais. Wei­tere neun Mil­lionen Tonnen gelber Mais sollen aus dem Aus­land ein­ge­kauft werden.

»Um dem Kli­ma­wandel zu trotzen, müssen wir eigenes Saatgut züchten, so wie dies bereits in der tra­di­tio­nellen, ökolo­gisch ver­träg­li­chen Land­wirt­schaft der Fall war«, sagte Aleida Lara von der Umwelt­or­ga­ni­sa­tion ‘Green­peace’.
Die unab­hän­gige Orga­ni­sa­tion ‘Bio­di­ver­sity Inter­na­tional’, die UN-​Agrarorganisation FAO und das inter­na­tio­nale For­schungs­in­stitut CIMMYT haben die her­kömm­li­chen Anbau­me­thoden in einer Studie unter­sucht, die im August in dem US-​Fachmagazin ‘Pro­cee­dings of the National Aca­demy of Sci­ences’ (PNAS) erschien.

Dem­nach könnten die tra­di­tio­nellen Aus­sa­at­me­thoden den Bauern helfen, Vor­räte von Mais-​Landrassen anzu­legen, die den vor­her­seh­baren Kli­ma­ver­än­de­rungen stand­hielten, erklären die Wis­sen­schaftler Mau­ricio Bellón, David Hodson und Jon Hellin in ihrer Arbeit mit dem Titel ‘Asses­sing the Vul­nera­bi­lity of Tra­di­tional Maize Seed Sys­tems in Mexico to Cli­mate Change»‘.

Unter­sucht wurden die Pflanz­me­thoden von 400 Haus­halten in 20 Gemeinden, die sich über fünf Bun­des­staaten im Osten Mexikos ver­teilen. Die Felder befanden sich in unter­schied­li­chen Höhen­lagen zwi­schen zehn und 2.980 Metern über dem Meeresspiegel.

Die For­scher warnen davor, dass die Ein­füh­rung gene­tisch ver­än­derter Mais­sorten, die etwa Resis­tenzen gegen­über Pes­ti­ziden auf­weisen, den Fort­be­stand hei­mi­scher Varie­täten bedrohen.

Aus­rei­chende Arten­viel­falt vor­handen

Auf­grund seiner Arten­viel­falt könne sich Mais an neue Kli­ma­be­din­gungen anpassen, erklärte Ureta, die der Ver­ei­ni­gung der gesell­schaft­lich enga­gierten Wis­sen­schaftler (UCCS) ange­hört. Gen­ma­ni­pu­lierter Mais kon­ta­mi­niere hin­gegen die Sorten, die bisher nicht kom­mer­ziell ange­baut worden seien. Es sei daher not­wendig, diese Ent­wick­lung durch eigene Tech­no­lo­gien zu ver­hin­dern.
Anbau von Gen­mais staat­lich gefördert

Das mexi­ka­ni­sche Agrar­mi­nis­te­rium hatte hin­gegen im März eine Pilot­studie über gen­ver­än­derten gelben Mais gebil­ligt, der wider­stands­fähig gegen Her­bi­zide auf der Basis von Gly­phosat ist. Die Unter­su­chung wird von dem US-​Chemie-​Multi Mons­anto auf knapp einem Hektar Land im nord­öst­li­chen Staat Tamau­lipas durchgeführt.

Seit 2009 hat die Regie­rung 110 Anträge für den expe­ri­men­tellen Anbau von trans­genen Mais­sorten erhalten. In 67 Fällen erteilte das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rium Geneh­mi­gungen für Pflan­zungen auf ins­ge­samt etwa 70 Hektar im Norden Mexikos.

Umwelt­ver­bände werfen der kon­ser­va­tiven Regie­rung von Prä­si­dent Felipe Cal­derón vor, gegen ein seit 2005 gel­tendes Gesetz zur Rege­lung des Gen­an­baus ver­stoßen. Sie for­dern die erneute Ein­füh­rung eines Mora­to­riums für Gen­saaten, das von 1999 bis März 2009 galt. Laut Green­peace wird inzwi­schen in sechs der 32 mexi­ka­ni­schen Bun­des­staaten gen­tech­nisch mani­pu­lierter Mais ange­baut. Wei­terer Gen­mais wird importiert.

Bellón, Hodson und Hellin weisen in ihrer Studie darauf hin, dass die ange­stammten Mais­sorten in Mexiko in unter­schied­li­chen Kli­ma­zonen, glei­cher­maßen in tro­ckenen, feuchten, gemä­ßigten und heißen Regionen, gedeihen. Damit sei das Land für die Her­aus­for­de­rungen der Zukunft bes­tens gerüstet.

Link:

http://​www​.ibio​logia​.unam​.mx/
http://​www​.green​peace​.org/​m​e​x​i​c​o​/​es/
http://​www​.cimmyt​.org/en
http://​www​.pnas​.org/​c​o​n​t​e​n​t​/​e​a​r​l​y​/​2​0​1​1​/​0​8​/​0​2​/​1​1​0​3​3​7​3​1​0​8​.​a​b​s​t​r​act
http://​www​.unionccs​.net/
http://​www​.ips​no​ti​cias​.net/​n​o​t​a​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​9​9​044
http://​www​.ips​news​.net/​n​e​w​s​.​a​s​p​?​i​d​n​e​w​s​=​1​0​5​035

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