MEXIKO: Weitere grausige Funde

Weitere grausige Funde in Mexiko

(NZZ Druckausgabe 14.04.2011, S.7)

Im mexikanischen Gliedstaat Tamaulipas sind in 15 Massengräbern 116 Tote geborgen worden. Die Behörden rechnen mit weiteren Funden.

Alex Gertschen, Mexiko-Stadt

Seitdem die mexikanischen Behörden am vorletzten Mittwoch vermeldet haben, im an die USA grenzenden Gliedstaat Tamaulipas auf 8 Massengräber mit 59 Leichen gestossen zu sein, mehren sich die grausigen Funde fast täglich. Aufgrund von Informationen, die einige der 17 festgenommenen Verdächtigen gegeben haben, ist am Dienstag ein Erdloch mit 28 Toten entdeckt worden. Die Zahl der Leichen stieg dadurch auf insgesamt 116 und jene der Massengräber auf 15. Die Behörden rechnen mit weiteren Funden.

Besorgnis in Zentralamerika

Laut Medienberichten sind erst zwei Opfer identifiziert worden, ein Mexikaner und ein Guatemalteke. Weil in der betroffenen Gemeinde San Fernando letzten August 72 ermordete Migranten aufgefunden worden waren, die vorwiegend aus Zentralamerika stammten, haben die Regierungen Guatemalas, El Salvadors und Honduras' mit den hiesigen Behörden Kontakt aufgenommen. Die Bevölkerungen sind aufgerufen worden, vermisste Personen zu melden.

Unter den Leichen befinden sich höchstwahrscheinlich die Passagiere eines Autobusses, der am 25. März auf einer Überlandstrasse zwischen Ciudad Victoria und San Fernando entführt worden war und keine Migranten mitgeführt haben dürfte. Deshalb sind auch die Behörden der mexikanischen Gliedstaaten hellhörig geworden. Jene von Querétaro gaben bekannt, vor einem Jahr seien zwei Busse mit 46 einheimischen Wanderarbeitern Richtung USA aufgebrochen und in Tamaulipas verschwunden. Guanajuato meldete, dass 57 Einwohner vermisst würden, die ebenfalls nach Norden gereist seien.

Unfassbare Gewalt

Anfang April hatte die Nationale Menschenrechtskommission vermeldet, seit dem Ausbruch des Drogenkrieges 2006 seien bei ihr rund 5400 Vermisstmeldungen eingegangen. Zudem wisse sie von fast 9000 Leichen, die nicht identifiziert worden seien. Ins Bild einer endemischen Unsicherheit und in jeder Hinsicht unfassbaren Gewalt passt, dass laut Präsident Calderón einer der in Tamaulipas Verhafteten gesagt hat, in seiner Laufbahn als Killer über 200 Personen ermordet zu haben. Er gehört dem Kartell der Zetas an, das für die meisten Greueltaten im Gliedstaat verantwortlich gemacht wird.

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