HONDURAS: "Hier herrscht Krieg gegen die Bauern"

»Zona Urbana« steht auf Straßenschildern in ländlichen Gegenden Mittelamerikas, um eine nahe Siedlung anzukündigen. So nennt sich auch eine Reggaeton-Band aus Honduras. Die jungen Bandmitglieder kommen nicht aus dem städtischen Milieu, sondern aus Bauernfamilien, die in der Region Bajo Aguán um Land kämpfen. Dort spielt sich momentan der wohl blutigste Landkonflikt Mittelamerikas ab. In ihren Songtexten nehmen Zona Urbana Putschisten, Besitzer von Palmölplantagen und paramilitärische Gruppen aufs Korn. Die Musiker Wilmer Humberto, Edgar Aguilar und Harry Ornay sprachen mit der Jungle World über Militarisierung und Landgrabbing im Norden von Honduras.

Interview: Kathrin Zeiske


Eine Reggaeton-Band vom Land – das findet man selten. Wie habt ihr begonnen, Musik zu machen?

Ornay: Wir waren sehr jung, als wir Zona Urbana gründeten. Ich war zehn Jahre alt, der Jüngste von uns fünf. Wir haben begonnen, Beats zu mixen und Texte zu rappen. Unpolitische Sachen, die uns Spaß gemacht haben. Wir sind bei Dorffesten und Schulfeierlichkeiten aufgetreten. Heute spielen wir vor größerem Publikum. Wenn wir nicht auf der Bühne stehen, helfen wir unseren Eltern, das Land zu bestellen, Bohnen und Mais zu säen und zu ernten. Nebenbei versuchen wir, weiter zur Schule zu gehen.

Die honduranischen Band Zona Urbana
Die honduranischen Band Zona Urbana (Foto: Kathrin Zeiske)

Die Mehrheit der Bevölkerung Mittelamerikas lebt auf dem Land. Was bedeutet es, in Honduras als Kind von Bauern aufzuwachsen?


Humberto: Das bedeutet, auf dem Feld in der Sonne zu schuften, Wolkenbrüche auszuhalten, im Morgengrauen die Kälte und zu Hause meistens Hunger. Seit dem Putsch vor ein paar Jahren bedeutet es aber auch, verprügelt und verfolgt und im Fernsehen zum Staatsfeind Nummer eins erklärt zu werden. Als ich zwölf Jahre alt war, fing der Kampf der Bauern um ihr Land an. Die Mitglieder der Bauerngewerkschaften haben friedlichen Widerstand geleistet, damit sie nicht vertrieben werden und sie ihren Familien eine Überlebenschance und eine bessere Zukunft geben können. Aber die Großgrundbesitzer sind unerbittlich. Das alles hat uns sehr geprägt und deshalb rappen wir über die Bauernbewegung und den Landkampf.

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