El Sal­vador: Prä­si­dent lässt Men­schen­rechts­ver­bre­chen des Mili­tärs untersuchen

Von Edgardo Ayala — San Sal­vador – IPS

Memorial_de_las_víctimas_del_Mozote- Foto - Eric Rojas efrojas@gmail.com auf Wikipedia

Gedenk­stätte für die Opfer des Mas­sa­kers von El Mozote. Foto: Eric Rojas auf Wikipedia/​Creative Commons-​Lizenz

»Es ist bitter mit­an­zu­sehen, dass Kri­mi­nelle wie Helden behan­delt werden«, sagt Dorila Már­quez, die im Dezember 1981 ein Mas­saker der Streit­kräfte El Sal­va­dors in der Pro­vinz Morazán über­lebte. An drei Tagen wurden in El Mozote und anderen Dör­fern im Osten des zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Landes etwa 1.000 Männer, Frauen und Kinder umge­bracht. 20 Jahre nach Kriegs­ende hofft sie nun auf Gerech­tig­keit. In El Sal­vador hat die Regie­rung die Unter­su­chung der Men­schen­rechts­ver­bre­chen wäh­rend des Bür­ger­kriegs von1980 bis 1992 angekündigt.

 

Wie Prä­si­dent Mau­ricio Funes im letzten Monat bekanntgab, wird sich ein Mili­tär­aus­schuss mit der Geschichte der Armee befassen und zudem über­prüfen, ob sie sich an das Frie­dens­ab­kommen gehalten hat.

Der zwölf­jäh­rige bewaff­nete Kon­flikt zwi­schen Regie­rungs­truppen und linken Rebellen kos­tete 70.000 Men­schen das Leben, wei­tere 8.000 ‘ver­schwanden’. Doch bisher wurden die Ver­ant­wort­li­chen nie zur Rechen­schaft gezogen.
Nach wie vor betrachten die Armee und kon­ser­va­tive Kreise die Offi­ziere, die im Bür­ger­krieg gegen die Rebel­len­be­we­gung Natio­nale Befrei­ungs­front Fara­bundo Martí (FMLN) kämpften, als Helden. Die FMLN kon­sti­tu­ierte sich nach Kriegs­ende als Partei. Ihr Kan­didat Funes wurde 2009 zum Staats­ober­haupt gewählt.

Staat­liche Entschuldigung

Am 20. Jah­restag der Unter­zeich­nung des Frie­dens­ver­trags bat Funes Mitte Januar im Namen des Staates um Ver­zei­hung für das Mas­saker in Morazán und anderen Teilen des Landes. Zugleich gab er die Bil­dung der Unter­su­chungs­kom­mis­sion bekannt.

»Die Ankün­di­gung des Prä­si­denten hat bei den Opfern und bei Men­schen­rechts­gruppen für Genug­tuung gesorgt«, meint Miguel Mon­te­negro von der Men­schen­rechts­kom­mis­sion El Sal­va­dors (CDHES). Jah­re­lang seien die Men­schen­rechts­ver­bre­chen der Armee ver­tuscht worden.
Poli­ti­sche Beob­achter zwei­feln aller­dings daran, dass die Initia­tive des Prä­si­denten einen Mei­nungs­wandel bringen wird. »Die Mili­tärs werden auch wei­terhin als Helden ver­ehrt werden«, ist Jorge Juárez, der Direktor des Insti­tuts für his­to­ri­sche, anthro­po­lo­gi­sche und archäo­lo­gi­sche Stu­dien an der Uni­ver­sität von El Sal­vador, über­zeugt. »Eine neue Sicht­weise lässt sich schließ­lich nicht per Dekret herbeiführen.«

Als einer dieser Helden wird der inzwi­schen ver­stor­bene Oberst­leut­nant Dom­ingo Mon­ter­rosa betrachtet, der das Atlacatl-​Bataillon befeh­ligte. Nach Erkennt­nissen der von den Ver­ei­nigten Nationen geför­derten Wahr­heits­kom­mis­sion hatte er den Ein­satz geleitet, der mit dem Mas­saker von El Mozote endete.
Mon­ter­rosa und meh­rere seiner Offi­ziere kamen im Oktober 1984 ums Leben, als die FMLN seinen Hub­schrauber in die Luft sprengte. Der Oberst­leut­nant hatte irr­tüm­lich geglaubt, unter seinem Sitz befände sich der Trans­mitter des Gue­ril­la­sen­ders ‘Radio Ven­ce­remos’. Statt­dessen saß er auf einer Bombe, die per Fern­be­die­nung zur Deto­na­tion gebracht wurde.

‘Hel­den­ver­eh­rung’

Nach seinem Tod wurde der Oberst­leut­nant vom Par­la­ment zum ‘Helden von Joa­teca’, dem Ort des Anschlags, ernannt. Eine Infan­te­rieb­ri­gade mit Sitz in San Miguel im Osten des Landes trägt seinen Namen. Zudem wurde er in Mili­tär­lie­dern besungen und durch die Web­site ‘Mon­ter­rosa lebt’ ver­ewigt.
Doch der Hel­den­kult ist für die Über­le­benden des Mas­sa­kers nur schwer­lich zu ertragen. »Ich ver­stehe nicht, wie jemand, der so viele Tote auf dem Gewissen hat, als Held bezeichnet werden kann«, meint Már­quez, die durch das Blutbad Ange­hö­rige und Freunde ver­loren hat. Die Armee habe sich selbst zum Mythos, zum Retter des Landes vor dem Kom­mu­nismus, sti­li­siert, meint der Wis­sen­schaftler Juárez.

Carlos Cañas, ein Mit­glied der Aka­demie für Mili­tär­ge­schichte in El Sal­vador, kri­ti­siert das Vor­haben der Regie­rung als »imper­ti­nent«. Funes setze bereits voraus, dass das Militär an Men­schen­rechts­ver­let­zungen betei­ligt gewesen sei, obwohl es zu keiner Ver­ur­tei­lung gekommen sei. Er tue seinem Land nichts Gutes, gegen das Prinzip der Unschulds­ver­mu­tung zu verstoßen.

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Quelle: womblog

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