Daniel Ortega gewinnt Präsidentschaftswahl in Nicaragua

 

Auszug aus El Nuevo Diario vom 08.11.11, zitiert aus Notifax 2011-42

Übersetzung  von Marbod Rossmeissl

 

Wahlergebnis:

FSLN 62,68%

PLI 30,97%

PLC 6,03%

ALN 0,26%

APRE 0,07%

 

 

 Die unabhängigen Wähler wandten sich Ortega zu


 

Der Wahlsieg Ortegas ist für den Vorsitzenden des nicaraguanischen Meinungsforschungsinstitutes M&R Consultores, Raúl Obregón keine Überraschung. Schon seit 2009 hatte er die Opposotion darauf hingewiesen, dass Ortega ständig in der Wählergunst hinzugewinne.

 

Obregón erklärte, die Oppositionsführer hätten jedoch nie auf ihn gehört und hätten eher seine Meinungsumfragen mit den Worten abgetan, sie würden die wirklichen Wahlbsichten nicht richtig wiedergeben, vor allem nicht die der unabhängigen Wähler. Und genau auf diese Gruppe habe sich Ortega und die FSLN konzentriert.

 

Die Umschwung kam nicht über Nacht. Das hat sich schon vor anderthalb Jahren gezeigt. 2007 stieg Ortega (in der Sympathie) aufgrund der hoffnungsvollen Erwartungen, doch dann fiel er innerhalb von 8 Monaten wieder auf sein historisches Niveau von 30%.“

Doch habe im September 2009 erneut eine Änderung eingesetzt und sich die Anerkennung Ortegas durch die Bevölkerung wieder langsam erhört.

 

Obregón schrieb den Sieg Ortegas auch derTatsache zu, dass die Mitglieder der Regierung und der FSLN bei Naturkatastrophen immer gleich zur Stelle waren, sich die Stiefel und die Regenjacken anzogen und durch die Straßen liefen.

 

Obregón erklärte, Ortega habe sich in den ersten Jahren erst einmal der Konsolidierung seiner eigenen Basis gewidmet, dann habe er sich denen zugewandt, die die Partei verlassen hatten.

Obregón erinnerte noch einmal daran, dass die MRS noch 2006 bei den Wahlen noch 6% Stimmen von denen erhalten hatte, die sich von der FSLN getrennt hatten. Im Jahr 2008 hatte die MRS nur noch von 1% der befragten Zustimmung erhalten. Es sehe so aus, als hätte die FSLN den Rest absorbiert.

Ab September 2009 habe dann die FSLN damit begonnen, sich den Unabhängigen zu widmen und habe dabei auf Rosario gehört, die immer wieder in den Medien erklärte, man müsse die Bevölkerung mit Liebe behandeln. Murillo habe die FSLN aufgefordert, wie Pastoren von Haus zu Haus zu gehen.

 

Man muss bedenken, dass die Frente Sandinista und ihre Mitglieder von Natur aus schon immer Andere ausgeschlossen haben. D.h. wenn du nicht wie sie gedacht hast, haben sie dich heruntergemacht. Es sieht aber so aus, als habe sich das geändert. Ab 2009 haben sie die Leute respektvoll behandelt und unabhängig von ihren politischen und ideologischen Überzeugungen einbezogen und so stiegen sie in der Wählergunst an.“

 

Obregón unterschätzt auch nicht den Einfluss der Sozialprogramme, wie Plan Techo, Hambre Cero und Usura Cero, bei den unabhängigen Wählern.

Wenn wir in unseren Umfragen die Leute fragten, was sie am meisten anziehe, sprachen vor allem die unabhängigen Wähler vom Plan Techo. Vier von 10 Nicaraguanern nannten den Plan Techo (Vergabe von Wellblechtafeln) als das, was sie am meisten anziehe. An zweiter Stelle stand das Programm Usura Cero (Null Wucher), an dritter Stelle der Bono Productivo, (Vergabe von Vieh an Kleinbäuerinnen) und am Schluss die Casas para el Pueblo (Wohnungsbauprogramm)”.

 

Der Effekt dieser Programme erweckt Hoffnungen bei den unabhängigen Wählern. D.h. man kann etwas erwarten, was man noch nicht hat, ein Haus, einen Eigentumstitel etc. Und nur diese Regierung kann dies garantieren.

 

Gleichzeitig verlor der unabhängige Wähler die Furcht vor den Gespenstern der 80er Jahre, dass wenn Ortega gewinne, es wieder Krieg, Rationierungen, Knappheit, Militärdienst etc gebe. „All dies ist verschwunden.“

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