Präsident von Honduras reist nach München und Israel

Präsident Hernández und Geschäftsführer der Munich Airport International GmbH, Gaffal
Präsident Hernández und Geschäftsführer der Munich Airport International GmbH, Gaffal, Quelle: @Presidencia_HN

Von Daniela Dreißig
amerika21

München. Laut Pressestelle des Präsidentenhauses in Honduras hat sich Präsident Juan Orlando Hernández am Mittwoch mit deutschen Unternehmer:innen und Investor:innen in München getroffen. Unter ihnen befanden sich der Geschäftsführer des Munich Airport International GmbH (MAI), Dr. Ralf Gaffal, und Lorenzo Di Loreto, zuständig für die Unternehmensentwicklung des Airport.

Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit in München, äußerte dazu: "Angesichts der miserablen Bilanz von Honduras was Menschenrechte und Korruption angeht sowie der nachweislichen Unterwanderung staatlicher Institutionen durch das organisierte Verbrechen fragen wir uns, was in aller Welt hiesige Unternehmen dazu bewegt, sich mit Präsident Hernández an einen Tisch zu setzen." Er stehe selbst in Verdacht, mit Drogenkartellen gemeinsame Sache zu machen, so Lammers weiter.

Im Prozess gegen den honduranischen Drogenhändler Fuentes Ramírez ist der amtierende Präsident im März 2021 mehrfach erwähnt worden. Hernández' Bruder, Juan Antonio Hernández, ist im Oktober 2019 durch ein US-Bundesgericht wegen Drogenhandels im großen Stil schuldig gesprochen worden.

Laut honduranischer Presse bilde die MAI mit Inversiones EMCO, einem Unternehmen des Ehepaars Lenir Pérez und Ana Facussé, ein Konsortium, das den Bau und Inbetriebnahme des Palmerola International Airports (PIA) vorantreibe.

Bereits im letzten Jahr wies der Anti-Korruptionsrat in Honduras auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten, unter anderem bei der Erteilung der Konzession, bei steuerlichen Begünstigungen und dem Ungleichgewicht der hohen Ausgaben durch den Staat und im Gegenzug dessen niedriger Beteiligung an den Gewinnen, hin. Die MAI antwortete gegenüber amerika21, dass sie innerhalb ihrer Due Diligence (Sorgfaltspflicht) eine externe Rechtsanwaltskanzlei beauftragt habe, die jedoch die im Raum stehenden Vorwürfe nicht bestätigen konnte. Darüber hinaus äußerte sie, dass sie lediglich beratend beim Bau des honduranischen Flughafens tätig sei.

Zum Portfolio der Unternehmer Pérez/Facussé gehört auch das Bergbauunternehmen Inversiones Los Pinares, mit dem sie für die Kriminalisierung und Inhaftierung von acht Umweltschützern aus der Gemeinde Guapinol verantwortlich gemacht werden. Die UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen stuft diese Verhaftungen als illegal ein.

Bereits im Jahr 2013 stand Pérez-Facussé mit ihrem Bergbauunternehmen Minerales Victoria in Verdacht, u.a. an der Entführung internationaler Menschenrechtsbeobachter:innen beteiligt gewesen zu sein.

Besorgt äußert sich Lammers über die Reise von Hernández, denn in den letzten Monaten seien in Honduras Privatstädte (spanisch ZEDES) wie Pilze aus dem Boden geschossen. Dies seien ultra-libertäre Territorien, wo die Unternehmen frei mit eigener Jurisdiktion walten können. "Wir hoffen, dass niemand in dieses anti-demokratische Modell investieren will, das sich Expert:innen zufolge zudem bestens für illegale Geschäfte und Geldwäsche eignet. Zumindest die TUM International GmbH hat kürzlich mit Verspätung ihren Fehler korrigiert und sich aus der ZEDE Próspera zurückgezogen."

Hernández setzt nach den Treffen in München seine Reise nach Israel und Spanien fort. In Jerusalem wird Hernández die Botschaft eröffnen, ein Zugeständnis, das er im Dezember 2017 den USA unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump machte. Im Gegenzug erkannte das US-Außenministerium ihn wenig später als Wahlsieger an, obwohl es während der Wahlen offensichtlich zu Wahlbetrug kam.

Beim Besuch in Israel soll ein Abkommen über eine Entwicklungszusammenarbeit im Tourismus-, Landwirtschafts- und Bildungssektor abgeschlossen werden.

Im November 2019 wurde bekannt, dass Israel wichtigster Waffenlieferant für Honduras ist. Das zweitärmste Land der Region hat in den letzten zehn Jahren mehr als 30 Millionen US-Dollar für Waffen und andere militärischer Ausrüstung ausgegeben. Honduras schuldet Israel 120 Millionen US-Dollar, die für Logistik und Technologie ausgegeben wurden.

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