Padre Melo: Präsident Hernández wusste vom Mordplan gegen Berta Cáceres

Berta Cáceres
Berta Cáceres. Bildquelle: Ocote Films

Prozess gegen DESA-Geschäftsführer Castillo beginnt in vier Wochen

(Ökubüro, 4.3.2021) Honduras' damaliger und heutiger Präsident, Juan Orlando Hernández wusste, dass Berta Cáceres wegen ihres Widerstandes gegen das Wasserkraftprojekt "Agua Zarca" ermordet werden sollte. Das sagte der Jesuitenpater Ismael Moreno Coto SJ (Padre Melo) bei der Gedenkfeier zum fünften Jahrestag ihrer Ermordung am 2. März 2021 in La Esperanza-Intibucá. Melo betonte, er habe dies aus zuverlässiger Quelle erfahren. Hernández habe die genauen Details der Planung nicht gekannt, er sei jedoch darüber informiert gewesen, dass Berta Cáceres "eliminiert" werden würde. Am 6. April beginnt der Prozess gegen den bisher einzigen als Urheber des Verbrechens Angeklagten, den ehemaligen CEO des Energieunternehmens Desarollos Enérgeticos S.A.(DESA), David Castillo. Die Forderung nach Ermittlungen gegen Eigentümer und Vorstand der DESA, Mitglieder der Familie Atala Zablah, werden immer lauter. Bisher ist nur Finanzvorstand Daniel Atala Midence als Zeuge im Prozess gegen Castillo geladen.

Hier die Übersetzung eines Gespräches, das der italienische Journalist Giorgio Trucchi führte:

Honduras: Fünf Jahre des Rufes nach Wahrheit und Gerechtigkeit

Ein weiterer Jahrestag der Aussaat von Berta Cáceres - Interview mit Bertha Zúniga Cáceres

Von Giorgio Trucchi | Rel UITA

Am 2. März vor fünf Jahren wurde die indigene Anführerin und soziale Aktivistin Berta Cáceres Opfer mörderischer Kugeln. Der abscheuliche Mord hat die Welt schockiert und die Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit für Berta ist in alle Winkel vorgedrungen und hat den Schleier des Schweigens gelüftet, der ein Land umhüllt, in dem der Kampf gegen ein kapitalistisches, rassistisches und patriarchalisches System, die Verteidigung der Territorien und der Gemeingüter, immer noch bedeutet, das eigene Leben zu riskieren.

"Giorgio, sie haben Berta getötet. Sie haben sie getötet", lautete die SMS, die mir Miriam, Bertas enge Freundin und Begleiterin im Kampf, an jenem frühen Morgen im März schickte.

Von diesen ersten Momenten an war es offensichtlich, dass hinter den Kugeln, die von angeheuerten Attentätern abgefeuert wurden, die intellektuelle Urheberschaft von mächtigen Leuten in Absprache mit staatlichen Organen stand, im Kontext einer systematischen Verfolgung von Berta Cáceres und COPINH[1], weil sie sich dem Wasserkraftprojekt „Agua Zarca“ widersetzten.

Im Dezember 2019 wurden die Täter zu Haftstrafen zwischen 30 und 50 Jahren verurteilt. Unter ihnen waren ehemalige Führungskräfte und Sicherheitskräfte des Unternehmens Desarrollos Energéticos SA (Desa), ehemalige und aktive Militärs.

Das war ein erster Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit. Bislang wurde keiner der Drahtzieher zur Rechenschaft gezogen.Fünf Jahre später rufen Bertas Familie, COPINH und die ganze Welt weiterhin nach Wahrheit, Gerechtigkeit und einem Ende der Straflosigkeit.

Bertha Zúniga Cáceres, Tochter der ermordeten Sozialaktivistin und Koordinatorin des COPINH, sprach mit La Rel.

Es sind fünf Jahre seit der Ermordung von Berta, deiner Mutter, vergangen und ihr Vermächtnis ist aktueller denn je

Ihr Andenken, ihre Klarheit, ihr Vermächtnis sind in der honduranischen Bevölkerung wegen der schweren Krise, die wir gerade durchleben, sehr präsent. Territorien und Gemeingüter werden weiterhin angegriffen, die Gewalt gegen Frauen hat sich verschärft, Armut und Unsicherheit haben sich vertieft und zwingen viele Menschen zur Flucht aus dem eigenen Land.
An diesem fünften Jahrestag der compañera Berta fahren wir fort, ihre Vorstellungen neu zu beleben, wie zum Beispiel das Projekt der Neugründung von Honduras und Prozesse, die eine substantielle Transformation des Landes bedeuten würden.
Wir glauben, dass es notwendig ist, sowohl das herrschende System wie auch das aktuelle Wirtschaftsmodell und die Energiematrix des Landes radikal zu verändern. Und es ist wichtig, dass dies unter aktiver Beteiligung der gesamten honduranischen Bevölkerung geschieht.
Völker, die nicht für ihre Existenz kämpfen, verschwinden. Dies ist der dringende Aufruf, den Berta uns hinterlassen hat.

Berta sprach von der "Gerechtigkeit der Völker".

Angesichts dieser Maschinerie der Straflosigkeit liegt es an uns, Gerechtigkeit für die Menschen zu schaffen, indem wir die Territorien gegen die Unternehmen verteidigen, die uns weiterhin belauern werden.
Als COPINH werden wir weiter an territorialen und organisatorischen Prozessen arbeiten, im Bündnis mit anderen Völkern. Prozesse, die trotz der Angriffe und systematischen Schikanen, denen wir ausgesetzt sind, standhalten müssen.

Fünf Jahre nach ihrer Aussaat hat man den Eindruck, dass es ihnen nicht gelungen ist, Berta in ein "leeres Logo" zu verwandeln, ganz im Gegenteil.

Berta und ihr Vermächtnis sind zu einem Motor des Kampfes für soziale Transformationen geworden. Ihre Vision und ihr Denken gehen über den "Umweltschutz" hinaus, sie sind radikaler und umfassen die Kämpfe der Bevölkerungen gegen ein System, das neoliberal, patriarchalisch und rassistisch ist.
Ihr Gesicht und ihr Name sind in den Kämpfen in den verschiedenen Territorien von Honduras und der Welt zu finden. Derselben Kämpfe, die sie zu Lebzeiten begleitet hat und die sie sicher auch begleiten würde, wenn sie hier wäre.
Dem Bild von Berta Cáceres konnte sein Sinn nicht geraubt werden. Es ist noch immer eine Inspiration für die Menschen.

Wie geht die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit für Berta weiter?

Wir wissen, dass das Verbrechen von einer kriminellen Struktur begangen wurde, die mit Mitgliedern der Atala Zablah-Familie[2] verbunden ist und die bisher straflos blieb.
Leider hat der honduranische Staat bisher den politischen Willen vermissen lassen, sie in den Prozess gegen die Täter einzubeziehen.
Auch der Prozess gegen David Castillo, den ehemaligen Präsidenten von Desa und Mitwisser des Mordes, wurde systematisch verzögert. Achtundachtzig Beweismittel wurden gegen ihn vorgelegt und wir warten nun auf die Entscheidung des Gerichts***.
Aber die Wahrheit ist, dass nach fünf Jahren unsere Geduld am Ende ist. In Honduras ist die Justiz mit mächtigen Gruppen verfilzt. Wir brauchen mehr Druck, damit die Verbrecher und ihre Komplizen die Schuld begleichen, die sie bei den Opfern haben.
Wir spüren die Unterstützung, die Solidarität von so vielen Menschen. Wir werden die Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit für Berta niemals aufgeben.

*** Gestern (am 1. März 2021, Anmerk. d. Ü.) entschied das Gericht, nur ein Mitglied der Familie Atala (Daniel Atala Midence) als qualifizierten Zeugen zuzulassen, während es die Berichte des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte ablehnte, die den Kontext der Verfolgung und Gewalt aufzeigen sollten, deren Opfer Berta war und die in ihrer Ermordung gipfelte. Das Gericht hat den 6. April als Starttermin für den Prozess gegen David Castillo festgelegt.

[1] Bürgerrat der Volks- und Indigenenorganisationen von Honduras.
[2] Führungskräfte des Unternehmens Desarollos Energéticos (DESA), Inhaber des Wasserkraftprojektes „Agua Zarca“ und eine der mächtigsten Familien in Honduras.

Quelle: Rel UITA

http://www.rel-uita.org/honduras/cinco-anos-clamando-verdad-justicia/
Übersetzung: Ökubüro München

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