Konflikt um Staudammprojekt Agua Zarca eskaliert weiter

COPINH weist Berichte der honduranischen Medien entschieden zurück. Diese hatten von einem Überfall auf Benítez und Martínez berichtet, als diese friedlich zuhause beim Frühstück gesessen seien.
Der seit über einem Jahr andauernde Konflikt um das Staudammprojekt Agua Zarca ist in den letzten Wochen weiter eskaliert. Neben Aggressionen und Repression durch staatliche Sicherheitskräfte gegen Staudammgegner verschärften sich innerkommunitäre Spaltungen und Konflikte, die durch das Projekt entstanden sind. Staudammgegner berichteten mehrfach von Übergriffen und Todesdrohungen. Anfang März wurde die indigene Aktivistin Maria Domínguez und ihre Familie angegriffen und schwer verletzt. Dem Vernehmen nach führte auch diese Auseinandersetzung zu einem Todesopfer. Die in der Region stationierten Polizei- und Militäreinheiten, die laut honduranischer Regierung für die Sicherheit der lokalen Bevölkerung sorgen sollen, tragen nicht zu einer Entschärfung des Konfliktes bei. Dorfbewohner beklagen im Gegenteil immer wieder, dass die staatlichen Sicherheitskräfte offen für die Interessen des Unternehmens DESA (Desarollos Energéticos S.A.) arbeiteten.
Trotz der vielfach geäußerten Besorgnis von Menschenrechtsorganisationen hält das für den Staudammbau verantwortliche Unternehmen DESA weiterhin an der Durchsetzung des Projektes gegen den Willen eines Großteils der Bevölkerung fest. Im Gegensatz zum zentralamerikanischen Infrastrukturfonds CAMIF sieht ein weiterer internationaler Geldgeber, die holländische Entwicklungsbank FMO, bisher keinen Grund, sich aus dem umstrittenen Projekt zurückzuziehen. Dazu haben indigene Räte und Vertreter des Dorfes La Tejera die FMO in einem offenen Brief am 1. April aufgefordert. (Ende der Meldung bei amerika21)


Offener Brief aus Río Blanco an die holländische Entwicklungsbank FMO

In einem offenen Brief forderten der indigene Rat, der Ältestenrat und das Patronat des Dorfes La Tejera, Río Blanco die holländische Entwicklungsbank FMO auf, das Staudammprojekt Agua Zarca nicht finanziell zu unterstützen.

Hier die deutsche Übersetzung des spanischsprachigen Originals:

Sehr geehrte Repräsentanten der Bank FMO (Holländische Entwicklungsbank),

Wir, die Mitglieder des Indigenen Rates, des Ältestenrates, des Patronats und weiterer aktiver Elemente des indigenen Lenca Dorfes La Tejera, Río Blanco Intibucá, haben uns am heutigen Dienstag, dem 1. April versammelt, um das einjährige Bestehen unseres Kampfes in Ablehnung des hydroelektrischen Projektes Agua Zarca zu zelebrieren.
Wir wenden uns an sie, die Vertreter der Bank FMO, um ihnen mitzuteilen, dass wir nicht einverstanden sind mit der Vergabe des Darlehens an das Unternehmen DESA. Dieses Unternehmen zerstört unser Territorium auf dem wir seit Jahrhunderten leben und Mais, Bohnen, Kaffee, Yuca, Bananen, Zuckerrohr, Avocado, Ananas, Orangen, Limetten und andere Arten von Anpflanzungen anbauen.
Wir lehnen dieses hydroelektrische Projekt entschieden ab, da dieses Territorium ein Erbe unserer Vorfahren ist. Wir haben es gehütet und werden es für unsere nachkommenden Generationen weiter hüten. Das Unternehmen DESA zerstört den natürlichen Flusslauf unseres heiligen Flusses Gualcarque, der ebenfalls Quelle des Lebens und der Spiritualität des Lenca-Volkes ist. Wir verteidigen das Land und den Fluss Gualcarque um überleben zu können.
Unsere Gemeinde hat das Projekt in öffentlichen Befragungen und Versammlungen abgelehnt, wir haben Demonstrationen und andere Aktivitäten realisiert um zu fordern, dass das Projekt Agua Zarca nicht gebaut wird. Jetzt, nach einem Jahr des Widerstandes gegen die illegale Durchsetzung des hydroelektrischen Projektes Agua Zarca, fordern wir sie auf, DESA und sein Projekt des Todes nicht zu finanzieren. Wir hoffen unsere Bitte findet Gehör und wird berücksichtigt.

Río Blanco Intibuca, am ersten April des Jahres 2014

Quelle: http://hondurasdelegation.blogspot.de/2014/04/offener-brief-aus-rio-blanco-die.html

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