Honduras: Urteil im Mordprozess Berta Cáceres steht bevor

Mutmaßlich in das Mordkomplott verwickelt: Mitglieder der einflussreichen Unternehmerfamilie Atala Zablah. Bisher angeklagt ist nur DESA-Geschäftsführer David Castillo (Mitte)
Mutmaßlich in das Mordkomplott verwickelt: Mitglieder der einflussreichen Unternehmerfamilie Atala Zablah. Bisher angeklagt ist nur DESA-Geschäftsführer David Castillo (Mitte), Fotomontage: COPINH

61 Europaabgeordnete appellieren an die honduranische Justiz, Unabhängigkeit zu beweisen

Am 28.Juni 2021 endete nach 48 Verhandlungstagen der Prozess gegen David Castillo, Direktor des honduranischen Energieunternehmens Desarrollos Energéticos (DESA) und ehemaliger Offizier des militärischen Geheimdienstes. Castillo ist als Urheber des Mordes an der international bekannten Vorkämpferin für indigene Rechte, Berta Cáceres angeklagt. Cáceres Ermordung in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 hatte weltweit Erschütterung und Empörung ausgelöst. Mit dem Urteil wird in wenigen Tagen, spätestens am Samstag, 3.Juli, gerechnet.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass sie genügend Beweise für die Schuld Castillos vorgelegt habe. Der Mord sei geplant und durchgeführt worden, weil Berta Cáceres den Widerstand gegen das Wasserkraftprojekt Agua Zarca erfolgreich anführte und der DESA erhebliche wirtschaftliche Verluste zugefügt hatte.

Die Verhandlungen enthüllten weit mehr als die Tatherrschaft Castillos, die sich in Chats mit dem verurteilten Koordinator des Mordkommandos, Douglas Bustillo, manifestierte. Vor allem die Sachverständigen der Nebenklage machten in ihren Analysen auch Grundzüge eines kriminellen Netzwerks aus Unternehmen und staatlichen Institutionen hinter dem Mord sichtbar.

Insbesondere für die mächtige Unternehmerfamilie Atala Zablah, Haupteigentümerin der DESA, steht nun viel auf dem Spiel. DESA-Finanzvorstand Daniel Atala Midence verweigerte eine Aussage vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft bestätigte erstmals, dass gegen ihn ermittelt werde. Eine Untersuchung der Finanzströme, die im Mordkomplott gegen Cáceres eine Rolle spielten, steht noch aus.

Nach Ansicht des Rates des Zivilgesellschaftlichen Rates der Volks- und indigenen Organisationen in Honduras COPINH und zahlreicher internationaler Prozessbeobachter*innen könnte das Urteil gegen David Castillo ein Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit in Honduras werden – vorausgesetzt die Richter*innen Joselyn Marie Donaire, Esther Carolina Flores und José Anaim Orellana halten dem Druck stand, der dieser Tage möglicherweise auf sie ausgeübt werden könnte.

61 Europaabgeordnete aus vier Fraktionen appellierten deshalb am 29. Juni an die honduranische Justiz ein unabhängiges Urteil zu fällen und äußerten ihre Besorgnis angesichts ungerechtfertigter Verzögerungen im Prozess.

Zusammenfassungen der einzelnen Prozesstage (auf Deutsch):

https://www.oeku-buero.de/mordprozess-berta-c%C3%A1ceres.html

Pressemitteilung von COPINH zum Ende des Prozesses:

https://copinh.org/2021/06/statement-castillos-guilt-proven-at-trial/

Interview mit Bertha Zúniga Cáceres (Tochter von Berta Cáceres)

https://www.oeku-buero.de/nachricht-506/dieses-komplott-muss-aufgekl%C3%A4rt-werden.html

Zurück