Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

Tag 26 [28. Mai 2021]

Daniel Atala ist einer derjenigen, gegen den wegen der Ermordung von Berta Cáceres ermittelt wird
Daniel Atala ist einer derjenigen, gegen den wegen der Ermordung von Berta Cáceres ermittelt wird. Jedoch hat die Staatsanwaltschaft, fünf Jahre nach dem Mord, noch keinen Antrag auf Strafverfolgung gestellt. Foto: COPINH

Die wichtigsten Punkte des Tages

Daniel Atala Midence erschien zunächst per Zoom, um auszusagen, aber nach Einwänden der Staatsanwaltschaft wurde ihm vom Gericht gesagt, er müsse persönlich erscheinen. Nachdem er persönlich in den Zeugenstand getreten war, teilte Atala Midence dem Gericht mit, dass er von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch mache, nicht auszusagen. Er begründete die, dass gegen ihn ermittelt werde. Nachdem die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass dies tatsächlich zutrifft, und nach mehreren Protesten der Nebenklage, wird Atala vom Gericht nicht zur Aussage aufgefordert.

Der verurteilte Mörder und ehemalige Sicherheitschef der DESA, Douglas Bustillo, sagte aus, dass er David Castillo über die Aktionen von COPINH und Berta Cáceres im Zusammenhang mit dem Projekt informiert habe. Der ehemalige DESA-Mitarbeiter Hector García Mejía beschrieb die Spaltungen und Konflikte in der Region Rio Blanco als Folge der Anwesenheit des Projektes.

Details zur Nicht-Aussage von DESA-Finanzchef Daniel Atala

Im Gerichtssaal angekommen, wird Atala vereidigt. Er gibt an, dass er ein Freund von David Castillo ist und dass sie zusammen gearbeitet haben. Dann erklärt er, dass gegen ihn ermittelt werde. Er nennt Seitenzahlen der Gerichtsakte und erwähnt die Aussage der Telekommunikationsanalytikerin Brenda Barahona, die seine Telefongespräche analysiert hat. Er beruft sich auf Artikel 88 der honduranischen Verfassung und sagt, dass ihm von seinen Anwält*innen geraten wurde, nicht auszusagen.

  • Das Gericht antwortet, dass es keine Kenntnis davon habe, dass gegen ihn ermittelt wird oder dass er angeklagt wurde. Die vorsitzende Richterin fragt die Staatsanwält*innen, ob dies wahr sei.
  • Die Staatsanwält*innen bestätigen, dass gegen Atala ermittelt wird und argumentieren, dass Art. 101 Personen, gegen die ermittelt wird, das Recht gibt, vor einem Staatsanwalt (nicht vor Gericht) mit ihrem Anwalt zu erscheinen und eine Aussage zu machen. Da Art. 88 Atala das Recht gebe, nicht auszusagen, argumentieren die Staatsanwält*innen, dass er nicht verpflichtet werden sollte, auszusagen.
  • Die Anwält*innen der Nebenklage argumentieren, dass Atala von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch macht, aber dass der Artikel nur für Personen relevant sei, die angeklagt wurden. Es sei bisher jedoch keine Anklage gegen Atala erhoben worden und er sei eindeutig jemand mit Wissen über das Verbrechen, was dem Gericht helfen würde, dem Verbrechen auf den Grund zu gehen. Atala nicht erklären zu lassen, was er weiß, verstoße gegen die Rechte der Opfer. Die Nebenklage habe mehrmals Strafantrag gegen Atala bei der Staatsanwaltschaft gestellt und nie eine Antwort erhalten. Daniel Atala oder andere DESA-Führungskräfte seien nie vernommen worden.
  • Castillos Verteidigung argumentiert, dass Atala basierend auf Art. 88 nicht aussagen sollte und dass die Staatsanwaltschaft bestätigt habe, dass gegen ihn ermittelt werde.
  • Das Gericht entscheidet, dass Atalas Aussage gegen sein verfassungsmäßiges Recht aus Art. 88 verstoßen würde, da gegen ihn ermittelt werde.

Douglas Bustillo, der ehemalige Sicherheitschef der DESA, sagt aus

HINWEIS: Der Ton war zeitweise schwer zu hören, wahrscheinlich wegen der Platzierung von Bustillos Mikrofon. Der Ton auf dem Facebook-Livestream wurde  für etwa 10 bis 15 Minuten unterbrochen, während die Anwält*innen der Nebenklage  Bustillo befragten.

  • Bustillo beginnt damit, dass er sagt, dass er mit Castillo gearbeitet hat, aber dass er nichts zu sagen hat. Er sei vom gleichen Gericht verurteilt worden und Brenda Barahona habe sich vieles ausgedacht.

Anwält*innen der Nebenklage befragen Bustillo:

F: Sie sagten, Sie hätten mit DESA gearbeitet, in welcher Beziehung standen Sie zu dem Unternehmen? A: Ich war ein Berater.

F: Welche Art von Berater? A: Im Bereich Sicherheit.

F: Wann haben Sie angefangen, dort zu arbeiten? A: Am 8. Mai 2013.

F: Was waren Ihre Aufgaben in dieser Position? A: Mich um das Personal des Projekts zu kümmern. Es gab 24 Stunden am Tag Wachpersonal am Projekt.

F: Was waren die wichtigsten Sicherheitsrisiken in dem Gebiet? A: Nur die Proteste, die stattfinden würden.

F: Welche Art von Sicherheitsmaßnahmen hatte das Unternehmen, um mit den von COPINH angeführten Protesten umzugehen? A: Aktionen, keine. Ich habe die Sicherheit organisiert und dafür haben sie mich bezahlt. Ich musste auf die Dinge, die dort passierten, reagieren.

F: Warum waren die Polizei und das Militär in der Zone? A: Anfangs gab es dort keine Polizei. Die Bereitschaftspolizei kam aus Comayagua und Santa Barbara, um für Sicherheit zu sorgen.

F: Wie oft kamen sie in das Gebiet? A: Wenn es Proteste gab.

F: Wer hat die Polizei gerufen? A: Das war ich.

F: Wenn Sie von Bereitschaftspolizei sprechen, wie viele Polizisten oder Militärs sind das? A: 20 Militärs und 20 Polizisten.

F: Woher wussten Sie, dass es in der Gegend Proteste geben würde? A: Weil die Leute in El Barreal [Gemeinde im Sektor Rio Blanco] wussten, wann sie stattfinden würden und wann die Leute zum Projektgelände gehen würden.

F: Welche Leute in El Barreal? A: Jeder wusste, wann sie stattfinden würden.

F: Mit wem haben Sie direkt darüber kommuniziert? A: Ich habe mich einfach mit ihnen unterhalten und sie haben es mir gesagt.

F: An welche relevanten Vorfälle können Sie sich erinnern? A: Ein relevanter Vorfall war, als sie etwas angezündet haben [unhörbar ... etwas über Zelte?]

F: Was haben Sie als Verantwortlicher getan, als diese Dinge passierten? A: Nichts, weil die Polizei kam.

F: Wie lange blieb die Polizei in dem Gebiet? A: Sie blieben für die Dauer der Aktionen und gingen dann wieder.

F: Wer ermöglichte der Polizei und dem Militär, in die Region zu fahren? A: Ihre Vorgesetzten.

F: Wann haben Sie aufgehört, mit DESA zu arbeiten? A: Am 31. Juli 2015

F: Warum haben Sie aufgehört, dort zu arbeiten? A: Sie haben mich gefeuert, weil ich ein Vergehen begangen habe. Ich hatte einen Unfall auf dem Gelände.

F: Wie war Ihre Beziehung zu David Castillo? A: Normal.

F: Erinnern Sie sich an andere Termine, an denen Sie ihn angerufen haben? A: Nein, ich erinnere mich nicht.

F: Was war mit dem Job im Süden? A: Die Gelegenheit war da, aber er wusste nicht, wann sie beginnen würde. Ich musste warten.

F: Wann hat er Sie für diese Arbeit angerufen? A: Zwischen Juli und Dezember [2015].

F: Mit welcher anderen Person haben Sie von DESA gesprochen? A: Ich habe auch mit Sergio Rodriguez gesprochen, um die Sicherheit zu besprechen.

F: Mit welcher Firma haben Sie in San Pedro Sula gearbeitet? A: PCI.

F: Wann haben Sie zuletzt mit David Castillo kommuniziert? A: Ich rief ihn im Februar 2016 wegen eines Jobs im südlichen Teil des Landes an.

F: In welchem Zeitraum haben Sie mit PCI gearbeitet? A: Zwischen dem 15. August und Dezember 2015.

F: Warum haben Sie aufgehört, mit PCI zu arbeiten? A: Ich habe mit dem Manager gesprochen. Ich wollte nicht mehr in San Pedro Sula sein [schwer zu verstehen, nicht sicher sein, ob dies seine Antwort war].

F: Wie war Ihre Beziehung zu David Castillo, während Sie mit DESA arbeiteten? A: Es war normal, es war eine Arbeitsbeziehung.

[Die Nebenklage fragt, ob das Gericht ihm Bustillos Telefonaufzeichnungen vorlegen kann. Das Gericht lehnt diesen Antrag mit der Begründung ab, dass die Telefonaufzeichnungen nur für sachverständige Zeugen zugelassen wurden]

F: Kannten Sie Berta Cáceres? F: Ja, als sie in das Projektcamp kam, um zu protestieren.

F: Welchen Kontakt hatten Sie zu Berta? A: Keinen.

F: Was bedeutete die Anwesenheit von Berta für das Unternehmen? A: Keine, es gab nur viele Proteste.

F: Wem haben Sie diese Proteste gemeldet? A: An David.

F: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Sicherheit der Leute und des Eigentums zu gewährleisten? A: Es gab ein großes Tor ... [unhörbar]

F: In welcher Weise hatten Sie Kontakt zu Berta Cáceres? A: Ich hatte keinen Kontakt mit ihr.

F: Welche Art von Arbeit wollte Castillo Ihnen im Februar geben? A: Es war die gleiche Art von Arbeit, die ich in Agua Zarca gemacht habe. Ich sollte in den Süden gehen für die Bewachung des Solarprojektes Santa Lucía .

F: Wie oft haben Sie Castillo deswegen kontaktiert? A: Ich rief ihn an, um zu fragen, ob es Beschäftigungsmöglichkeiten gäbe.

F: Welche Angaben hat er Ihnen über den Job gemacht? A: Keine, nur, dass er für die Sicherheit sorgen sollte, ähnlich wie bei Agua Zarca.

F: Wann haben Sie von der Ermordung von Berta Cáceres erfahren? A: Am selben Tag über das Radio.

F: Welche Kommunikation hatten Sie mit dem DESA-Personal über den Mord an Berta Cáceres? A: Ich habe mit Sergio gesprochen. Er sagte, er habe die Nachrichten gehört, als ich auf dem Weg zur Arbeit nach San Pedro Sula war. Und am Mittag sprach ich mit David und sie meinten, sie würden das Lager des Projekts besetzen.

F: Was war Ihre Reaktion, als Sie von Bertas Ermordung erfuhren? A: Ich weiß es nicht ... sie war kein Familienmitglied ... [unhörbar]

F: Die Kommunikation, die Sie mit Sergio Rodriguez über den Mord an Berta hatten - wie war die Diskussion? A: Er hat mir gesagt, dass es in den Nachrichten war und das war es.

F: Wie war die gleiche Diskussion mit David Castillo? A: Es wurde international darüber berichtet und sie waren besorgt, dass sie das Projekt in Brand setzen würden. David Castillo sagte, er würde die Leute auf dem Projektgelände benachrichtigen.

F: Wenn Sie von DESA entlassen wurden, warum haben Sie David Castillo von den Vorfällen berichtet? A: Ich bin nicht verärgert von der Firma weg ... [unhörbar]

F: Am Tag der Ermordung von Berta Cáceres, wohin waren Sie unterwegs? A: Ich war auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch.

F: Wo? A: Ich fuhr nach San Pedro Sula, ich kam am Busbahnhof an, nahm einen Bus nach Choloma und das Taxi nach [Name des Ortes].

F: Wann sind Sie nach Tegucigalpa zurückgekehrt? A: Am selben Tag am Abend.

AUDIO FÄLLT FÜR ETWA 10 BIS 15 MINUTEN AUS

Die Staatsanwält*innen  befragen Douglas Bustillo

F: Bevor Sie bei DESA gearbeitet haben, wo haben Sie gearbeitet? A: Bei den honduranischen Streitkräften.

F: Was war Ihre Position? A: Ich war Leutnant der Infanterie

F: Woher haben Sie Ihr Wissen über Sicherheit? A: Von den Streitkräften und anderen Dingen, die ich online gelernt habe.

F: Wer war Sergio Rodriguez? Er war der Sozialmanager.

F: Wie war Ihre Beziehung zu Sergio Rodriguez? Normal, wir hatten eine Arbeitsbeziehung.

F: Wer war für den Projektstandort in San Francisco de Ojuera zuständig? A: Das weiß ich nicht, weil ich zu der Zeit nicht mit dem Projekt gearbeitet habe.

F: Als Sie mit DESA gearbeitet haben, wer war da zuständig? A: Ingenieur Díaz [nicht ganz sicher, ob das die Antwort war]

F: Sie haben erwähnt, dass Sie auf der linken Seite gearbeitet haben, und dann wurde das Projekt auf die rechte Seite verlegt, was bedeutet das? A: Die rechte Seite war, als sich das Projekt in [dem Departement] Intibuca befand. Ich habe das Projekt verlassen, als es auf die linke Seite [des Flusses] umgezogen ist.

F: Haben Sie rechtliche Beschwerden in Bezug auf die Handlungen von COPINH eingereicht? A: Die Person, die dafür verantwortlich war, war der Rechtsvertreter.

F: Wer war der Rechtsvertreter? A: Ich weiß es nicht, aber es war eine Frau.

F: Welche Beziehung hatten Sie zu Leuten, die Ihnen Informationen über die Proteste von COPINH in der Gemeinde weitergaben? A: Ich hatte keine Beziehung zu ihnen, ich hab sie getroffen und sie haben's mir gesagt.

F: Wer hat Sie konkret über diese Proteste informiert? A: Es waren Leute, die ich "auf dem Weg" getroffen habe.

F: Wie viele waren von COPINH? A: Sie waren alle aus [der Gemeinde] El Barreal.

F: Welche Informationen haben sie Ihnen über Berta Cáceres gegeben? A: Sie erwähnten nur, wann sie in La Tejera [Gemeinde in Rio Blanco] protestieren würden.

F: Woher wussten die Leute in El Barreal von den Protesten, wenn sie nicht von COPINH waren  A: Weil sie Familienmitglieder hatten, die Teil von COPINH waren.

F: Diese Familienmitglieder, wer sind sie? A: Ich weiß es nicht, ich hab mich nicht mit ihnen abgegeben.

F: Als Sie in San Pedro Sula gearbeitet haben, mit welchen anderen Personen, gegen die ermittelt wurden  standen Sie in  Beziehung? A: Mit Henrry.

F: Wo haben Sie ihn kennengelernt? A: Ich kannte ihn nicht, bis er sich um einen Job bewarb und in die Firma kam. Er durchlief den Bewerbungsprozess für die Arbeit.

F: Wer hat Henrry die Arbeit in der Firma verschafft? A: Ich weiß es nicht.

F: Als Sie PCI [Sicherheitsfirma] verließen, welche Beziehung hatten Sie weiterhin zu dieser Person? A: Beziehung? Keine.

F: Welche Position hatten Sie bei PCI? Ich war der Betriebsleiter.

F: Was war Ihre Arbeit in Bezug auf die Leute, die mit Ihnen gearbeitet haben? A: Ich war ein Vorgesetzter und beaufsichtigte die Leute, die dort arbeiteten.

F: Welche Art von Ausbildung hatte Henrry? A: Ich weiß es nicht.

F: Als Sie bei DESA arbeiteten, was war Castillos Position? A: Geschäftsführer.

F: Und Daniel Atala? A: Verwaltungsdirektor.

F: Welche Art von Kommunikation hatten Sie mit Daniel Atala? Wir sprachen, wenn ich Geld für Benzin oder andere Wartungsarbeiten brauchte

F: Was war Ihr Jahrgang beim Militär? A: 34.

F: Wie hoch war die Jahrgang von Mariano Díaz? A: 34.

F: Wie war Ihre Beziehung zu Mariano Díaz Chavez? A: Wir haben uns manchmal getroffen und Bier getrunken.

F: Sie sagten, dass Berta Cáceres Leute von außerhalb der Gemeinde nach Rio Blanco bringen würde. Woher wissen Sie das? A: Die Busse fuhren an El Barreal vorbei.

F: Woher wussten Sie bei Protesten, wer Berta Cáceres war? A: Ich hörte die Leute sie Berta nennen.

F: Nach dem von Ihnen erwähnten Protest, wann haben Sie Berta gesehen? A: Sie war am 25. Mai in Rio Blanco und das letzte Mal, als ich sie sah, war, glaube ich, am 11. Juli 2013. Ich habe sie auch im September 2014 gesehen.

F: Wo? A: Auf dem Projektgelände.

Fragen der Verteidigung an Bustillo

F: Welche Kenntnisse haben Sie über die Tötung eines Kindes im Jahr 2013? A: Ein Mitglied von COPINH starb und dann wurde ein Jugendlicher - 14 Jahre alt - umgebracht.

F: Sie haben ein Projekt erwähnt, an dem Castillo im Süden gearbeitet hat. Wann war das erste Gespräch, das Sie darüber geführt haben? A: Im November 2015.

F: Als Sie sagten, dass Sie mit Sergio in den Süden gereist sind, was haben Sie da gemacht, als Sie dort waren? A: Wir sind hingefahren, um uns die Gegend anzusehen. Wir haben es online auf einer Karte überprüft, aber ich wollte es persönlich sehen und Sergio musste den Part in der Gemeinde übernehmen.

Ex-DESA-Mitarbeiter Hector García Mejía im Zeugenstand

Der Zeuge gibt eine kurze Erklärung ab, in der er sagt, dass er von dem Mord an Berta aus den Medien erfahren hat und dass er nichts damit zu tun hatte.

Die Anwält*innen der Nebenklage beginnen mit den Fragen:

F: Aus welcher Gemeinde kommen Sie? A: Valle de Angeles.

F: Haben Sie Kenntnisse über die Arbeit der DESA in Rio Blanco? A: Sicher, am Anfang sind sie in die Gemeinden gegangen, um zu fragen, ob sie für das Projekt sind, und ich habe erfahren, dass sie am Bau des Projekts interessiert waren. Wir wurden über die Vorteile informiert. DESA fragte, ob sie das Land kaufen könnten und die Firma ging zu den Gemeinden, um zu sehen, ob sie es kaufen könnten. Die Gemeinden sagten "kein Problem", denn die Menschen können mit ihrem Land machen, was sie wollen. Sie begannen, in El Barreal zu arbeiten. Alles fing gut an, bis COPINH kam und die Dinge verzerrt dargestellt wurden. Da fing die Gewalt an und seltsame Dinge wie die Zerstörung von Ernten und das Sterben von Kühen traten auf. Ich mochte das nicht, weil wir alle Compañeros waren. Ich habe Berta nie gesehen. Als sie unser Wasserkraftprojekt zerstörten, trafen wir uns am nächsten Tag (Sonntag), um es zu besprechen. Ich wusste nicht, was ich sagen oder denken sollte, aber ich bat Gott, mir die Worte zu geben. Wir haben unser Wasserprojekt verloren. Heute haben wir ein großes Projekt, von dem die ganze Gemeinde profitiert [das Gericht unterbricht ihn, damit er sich auf die Frage konzentriert]

F: Sie haben sich auf ein Treffen bezogen, wann waren diese Treffen? A: Im Jahr 2009, aber ich kenne die Tage und Stunden nicht.

F: Sie sagten, dass DESA sagte, es würde Vorteile geben. Was sagten sie, würden die sein? A: Projekte, Schulen, sie würden die Straße reparieren, ein Wasserprojekt, Elektrizität, eine Gesundheitsstation für Mütter ... dafür wurde gerade das Gebäude gebaut.

F: Sie sagten, dass Sie angefangen haben, in El Barreal zu arbeiten? A: Nein, das habe ich nicht. Das war Arbeit für andere Leute. Ich war nicht an diesen Positionen in El Barreal interessiert. Ich war weder dafür noch dagegen, ich habe mit einer NGO gearbeitet, die in El Barreal Hacken hergestellt hat.

F: Wann ist COPINH in El Barreal angekommen? A: Im Jahr 2013.

F: Und was haben die Leute von COPINH gesagt? A: Sie sind nur nach La Tejera gegangen, nicht in meine Gemeinde oder eine andere Gemeinde, nur nach La Tejera.

F: Sie sagten, dass, als COPINH auftauchte, die Dinge anfingen, intensiv zu werden, warum? A: Es gab Zerstörung und dann begannen die Morde.

F: Welche Morde? A: Nun, meine beiden Neffen, William und Michael, und Santos Dominguez. Sie haben Michael angelogen und ihn zum Fluss gebracht und ihn mit einer Machete getötet. Es gab noch einen weiteren Mord, der sich ereignete, die Leute wurden beschuldigt. Mein Bruder Olvin Garcia Mejía wurde auch getötet. [Teile dieser Antwort waren unhörbar]

F: Sie sagten, dass der Vorschlag der Firma interessant sei, warum? A: Weil wir vernachlässigte Gemeinden sind. [andere Teile der Antwort waren schwer zu verstehen]

F: Was haben Sie bei diesen Treffen über das Projekt erfahren? A: Sie wollten einen Damm am Fluss errichten.

F: Wie war Ihr Verhältnis zu den DESA-Mitarbeitern? A: Am Anfang kannte ich sie nicht, aber danach habe ich sie bei den Projektbesprechungen kennengelernt. Ich traf einige von ihnen, ich hatte Kommunikation mit Ramon Rodriguez Orellana.

F: Auf welche Weise haben Sie mit Sergio [Rodriguez Orellana] kommuniziert? A: Wir sprachen per Telefon.

F: Kannten Sie Berta? A: Ja, seit 1998.

F: Wussten Sie, wer Berta Cáceres innerhalb der Gemeinde war? A: Wir wussten, dass sie die Generalkoordinatorin von COPINH war.

F: Wie haben Sie vom Tod von Berta erfahren? A: Durch das Radio.

F: Über welche negativen Auswirkungen hat die Firma informiert, die durch das Projekt entstehen würden? A: Die Firma hat eine Konsultation durchgeführt. Sie haben keine Angaben gemacht, weil die Studien noch nicht zu hundert Prozent abgeschlossen waren.

F: Wie konnten Sie das Projekt genehmigen, wenn Sie nicht alle Auswirkungen kannten? A: Sie sagten, dass es negative Auswirkungen geben würde, aber dass sie diese minimieren würden. Und wir hatten keine Probleme, wenn die Maschinen etwas zerstörten. Wir sahen das Projekt immer als vorteilhaft an.

F: Welches Land wurde an die Firma verkauft? A: In dem Gebiet, wo der Damm gebaut wurde, in Los Panales [?] und wo das Maschinenhaus stand.

F: Wie wurde das Land gekauft? A: Das weiß der Besitzer des Landes - es war Privatland.

F: Was haben Berta Cáceres und La Tejera damit zu tun, dass das Projekt die Flussseite wechselte? A: Die Blockade hat die Firma nicht arbeiten lassen, also mussten sie die Seite wechseln. Es war dieselbe Konzession.

F: Wie lautet der Name der Organisation, der Sie angehören? A: [der vollständige Name war nicht zu verstehen, etwas wie] Rat für die Entwicklung der Gemeinden in Nord-Intibuca und Süd-Santa Barbara.

F: Wann wurde der Rat gegründet? A: Im Jahr 2013.

F: Wie viele Leute arbeiteten bei DESA? A: Etwa 60 Arbeiter.

F: Wie viele Arbeiter waren Mitglieder von COPINH? A: Keine.

F: Wie viele waren gegen Agua Zarca? A: Keine.

Fragen der  Staatsanwält*innen an García Mejía

F: Wenn die DESA in die Gemeinden ging, wie haben sie die Versammlungen einberufen? A: Sie kommunizierten über die Patronatos [gewählte Gemeindevertretungen].

F: Wie viele Leute aus den Gemeinden kamen zu diesen Treffen? A: Ungefähr 150 Leute.

F: Wie lange dauerten diese Treffen, und war der Bürgermeister anwesend? A: Der Bürgermeister war nicht anwesend.

F: Aber Sie sagten vorher, dass der Bürgermeister bei den Treffen dabei war? A: Der Bürgermeister hat sich mit den Patronatos [gewählte Gemeindevertretungen] getroffen.

F: Wie viele Patronatos haben teilgenommen? A: La Tejera, Valle de Angeles, San Bartolo, La Unión, Rio Blanco [Gemeinden aus Rio Blanco].

F: Sie erwähnten, dass das Projekt woanders hinging? A: Es ging auf die linke Seite des Flusses, nach San Francisco de Ojuera.

F: In welchem Departement? A: Santa Barbara.

Fragen der Verteidiger*innen an García Mejía

F: Was ist Rio Blanco? A: Es ist ein Sektor, der sich im Norden von Intibuca befindet

F: Wie viele Flüsse gibt es in diesem Sektor? A: Nur Rio Blanco, El Canjel [weitere unverständlich?]

F: Wie viele Menschen leben in Rio Blanco, ungefähr? A: 2000.

F: Wie viele von diesen 2000 Menschen waren Teil von COPINH? A: Vielleicht 25 oder 30 Leute.

F: Welche Vorteile haben Sie als Lenca von COPINH erhalten? A: Überhaupt keine.

F: In welchem Jahr wurde das Projekt aufgegeben? A: Nach der Ermordung von Berta Cáceres.

F: Ist David Castillo oft in dem Gebiet gewesen? A: Nein.

F: Sie sagten, dass das Wasserkraftprojekt zerstört wurde, wer hat es zerstört? A: Die Informationen, die wir erhalten haben, besagen, dass es ein COPINH-Mitglied war.

F: Aus welcher Gemeinde kommt Berta Cáceres? A: Sie ist nicht aus der Gegend.

F: Welche Gemeinden glauben, dass es Geister im Fluss gibt? A: Das war ein Scherz, den sie 2013 zu benutzen begannen, als das Unternehmen begann. Sie sagten, dass der Fluss heilig sei. Es war ein Scherz.

F: Wann haben sie die Blockade bei El Roble beendet? A: Ungefähr 2014.

F: Wie viele Gemeinden profitierten von den sozialen Projekten, die das Unternehmen durchführte? A: Elf Gemeinden.

F: Sie sagten, dass es vier Gemeinden in Rio Blanco gibt, aber elf Gemeinden haben profitiert? A: Der Rest war in San Francisco de Ojuera.

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/5/28/day-twenty-six-trial-against-david-castillo

(Übersetzung aus dem Englischen, ohne Gewähr)

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/5/28/day-twenty-six-trial-against-david-castillo (englisch)

Am Freitagmorgen wurde die Anhörung im Prozess gegen David Castillo, den Mittäter des Mordes an Berta Cáceres, fortgesetzt. Es wurden alle von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen Beweise zugelassen, was in der Verlesung der Aussage von Gustavo Castro vom 3. März 2016, nach dem Mord an Berta Cáceres, gipfelte.

Darin beschreibt Castro detailliert, wie sich die Ereignisse in der Nacht des 2. März 2016 zugetragen haben.

Es ist anzumerken, dass die Verteidigung von David Castillo sich von Anfang an dagegen wehrte, diese Erklärung zu verlesen. Begründet wurde dies damit, dass sie bereits Teil eines früheren Prozesses gewesen sei, doch das Gericht lehnte diesen Antrag ab, da sie für den Fall relevant sei, und erlaubte, sie in ihrer Gesamtheit zu verlesen.

Die Anhörung wurde mit dem Verhör von Douglas Bustillo fortgesetzt, der während seiner Tätigkeit als Sicherheitschef der DESA mit Hilfe von ihm angeheuerter Informanten Folgeaktionen gegen Berta Cáceres und COPINH durchführte.

Das Verhör von Douglas Bustillo enthüllte seine Handlungen und die Rolle, die er innerhalb des Unternehmens DESA [Betreiberfirma des Wasserkraftwerkes Agua Zarca] spielte, die der Familie Atala Zablah gehört.

  • Bezahlung von Informanten: Obwohl Bustillo angab, dass seine Beziehung und Kommunikation mit Daniel Atala Midence ausschließlich auf Zahlungen für administrative und logistische Ausgaben beruhte. Die im Prozess geführten Gespräche zeigen, dass Bustillo auch mit Atala Midence die Bezahlung von Informanten koordinierte, um Informationen über Aktionen zu erhalten, die von COPINH und der von Berta Cáceres angeführten Gemeinde Rio Blanco durchgeführt wurden. Bustillo gab an, dass er jedes Mal, wenn eine Protestaktion stattfinden würde, Informationen erhielt.
  • https://twitter.com/copinhhonduras/status/1398440498558287872?s=28
  • Koordination mit der Nationalen Polizei: In seinen Aussagen bestätigte Bustillo, dass er als Sicherheitschef der DESA für die Koordination der Aktionen mit der Polizei verantwortlich war, um die Demonstrationen der Gemeinden zur Verteidigung ihrer Rechte am Gualcarque-Fluss zu unterdrücken.
  • https://twitter.com/COPINHHONDURAS/status/1398405780437704705?s=20
  • Er informierte David Castillo über die Aktionen von COPINH: In der Vernehmung wurde er von den Privatanklägern nach dem Umgang mit den Informationen gefragt, die er von Mitgliedern der Gemeinde erhalten hatte, er bestätigte, dass er diese Informationen mit David Castillo und Sergio Rodríguez geteilt hatte und dass sie diejenigen waren, die entschieden, welche Aktionen in Bezug auf diese Informationen zu unternehmen waren.

In dem Verhör wurde auch Bustillos militärische Ausbildung angesprochen und, dass der ebenfalls verurteilte Mariano Díaz, Klassenkamerad in demselben Jahrgang gewesen war.

Bezüglich seiner Kommunikation mit dem Major Mariano Díaz gab Bustillo an, dass es sich dabei nur um zufällige Begegnungen gehandelt habe. Die Beweise während des Prozesses zeigten jedoch, dass er und Díaz Aktionen koordinierten, um Berta Cáceres zu verfolgen, und zusätzlich den angeheuerten Attentäter Henrry Hernández mit Logistik versorgten, um das Attentat auszuführen.

Im Kreuzverhör gab Bustillo auch an, dass er nach der Ermordung von Berta am 3. März 2016, als er nicht mehr bei DESA angestellt war, David Castillo über Protestaktionen der Gemeinden in der Nähe des Unternehmens informiert habe, was zeigt, dass Bustillo weiterhin Aktionen beobachtete, um Castillo zu informieren.

Die Anhörung wurde mit der Aussage von Daniel Atala Midence fortgesetzt, der der Finanzchef des Unternehmens DESA war.

Es ist anzumerken, dass Atala Midence beabsichtigte, seine Aussage per Zoom zu machen. Als jedoch bekannt wurde, dass er sich in der Stadt Tegucigalpa befand und kein Hindernis hatte, persönlich auszusagen, wies das Gericht ihn an, zum Gericht zu kommen, um aussagen zu können.

Daniel Atala bat das Strafgericht, nicht auszusagen, weil er der Meinung war, dass gegen ihn wegen des Mordes an Berta Cáceres ermittelt werde und er nach honduranischer Verfassung das Recht habe, "nicht gegen sich selbst auszusagen".

Als Antwort auf diese Anfrage teilte das Gericht mit, dass ihnen keine Ermittlungen bekannt seien, die gegen ihn durchgeführt worden seien.

Somit kann von der Komplizenschaft der Staatsanwaltschaft mit den großen Eliten des Landes ausgegangen werden. Die Staatsanwaltschaft habe auf das Erscheinen vor Gericht von Daniel Atala gewartet haben, um bekannt zu geben, dass gegen Atala Midence ermittelt würde, weshalb sie den Antrag unterstützen und verteidigt haben, so dass Atala Midence keine Aussagen machen solle, da es ihm schaden könne.

Trotz der Anträge der Nebenklage, Atala als Zeuge zu vernehmen, entließ das Gericht Daniel Atala, ohne seine Aussage aufzunehmen.

Trotz der Erklärung der Staatsanwaltschaft, dass Daniel Atala einer derjenigen sei, gegen die wegen des Mordes an Berta Cáceres ermittelt wurde, weigert sich die Staatsanwaltschaft mehr als 3 Jahre, nachdem sie die Beweise gegen ihn hat, Anklage gegen ihn zu erheben.

Héctor Mejía koordinierte die Schlägergruppen
Héctor Mejía koordinierte die Schlägergruppen gegen die Geimeinde in der Region Río Blanco und gegen COPINH

Die Anhörung endete mit der Aussage von Héctor Mejía García, der die Schlägergruppen gegen die Gemeinden anführte, die sich gegen das Agua Zarca Projekt stellten.

Aus seiner Vernehmung wurde folgendes klar:  

Héctor Mejía bekräftigte, dass die Gemeinden von der Firma DESA nicht über die Realisierung des Wasserkraftprojektes konsultiert wurden, es gab nur eine Bekanntgabe desselben.

Er sagte aus, dass das Unternehmen in die Gemeinde kam, um sie ausschließlich über die Vorteile des Projekts zu informieren, die negativen Auswirkungen, die es mit sich bringen würde wurde dabei ausgespart.

In seinen Aussagen machte er deutlich, dass die Gewalt, die Angriffe und sogar die Morde in der Gemeinde Río Blanco das Ergebnis der Durchsetzung des Agua Zarca-Projekts am Gualcarque-Fluss sind.

Es ist anzumerken, dass die Verteidigung von David Castillo in seiner Vernehmung in einem offensichtlichen Akt des Rassismus versuchte, die Kosmovision des indigenen Lenca zu leugnen, die den Fluss Gualcarque verteidigen, der für die Gemeinden heilig ist, weil er von den Geistern der Mädchen bewohnt wird, die den Fluss bewachen.

https://copinh.org/2021/05/juicio-contra-david-castillo-dia-26/ (spanisch)

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