Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

Tag 11 [7. Mai 2021]

Im Vordergrund David Castillo, dahinter Daniel Atala Midence, José Eduardo Atala Zablah, Jacobo Atala Zablah, Pedro Atala Zablah (von links nach rechts) Foto: COPINH

Die wichtigsten Punkte des Prozesstages

Die von Sergio Rodriguez‘ Mobiltelefon extrahierten Daten enthalten mehrere Nachrichten an eine Whatsapp-Chatgruppe mit dem Namen „Security PHAZ“ [kurz für Proyecto Hidroelectrico Agua Zarca] und an andere. Die Chats, die im Gericht vorgelesen werden zeigen das Ausmaß der Überwachung, Sammlung von Informationen und der Sicherheitsstrategie, die von DESAs Geschäftsführung geleitet wird. Involviert sind Daniel Atala, José Eduardo Atala [Daniel Atalas Vater], Pedro Atala, David Castillo, Sergio Rodriguez, bezahlte Informanten, Angestellte von DESA sowie Polizei und Militär in Rio Blanco. In den Chatdiskussionen geht es unter anderem um: Details über den Aufenthaltsort von Berta und anderen COPINH-Mitgliedern, Aktivitäten in Rio Blanco und anderen Landesteilen, Streitigkeiten innerhalb der Gemeinden, Besuche durch internationale Delegationen, Medienstrategien, Meinungen verschiedener Individuen in Rio Blanco über das Wasserkraftprojekt, etc. In den Gruppenchats wird auch darüber diskutiert, Unterstützung von der Nationalpolizei und vom Sicherheitsminister anzufordern.

Die Verhandlung wird am Montag, 10. Mai 2021 um 8:30 fortgesetzt.

www.aquiabajo.com/blog/2021/5/7/day-eleven-trial-against-david-castillo

COPINH veröffentlicht auch heute wieder Auszüge aus den im Gericht verlesenen Chatprotokollen. Darin heißt es u.a.

„Heute um 9:30 Uhr ist die Koordinatorin des COPINH Berta Isabel Cáceres Flores, begleitet von Mitgliedern besagter NGO angekommen.“ „Um 15:00 Uhr haben sie den Ort verlassen“, informiert Sergio Rodríguez die Sicherheitsgruppe. „Ich glaube, wir sollten uns so schnell wie möglich versammeln und den weiteren Ablauf der Aktionen planen“, antwortet Castillo.

In der Chatgruppe „Seguridad PHAZ“ wird auch die Koordination zwischen Angestellten des Unternehmens, der Familie Atala und öffentlichen Funktionären deutlich, bei der es um die Kriminalisierung von Berta und weiteren Mitgliedern des COPINH geht. „Machen wir unseren finanziellen Einfluss und Einfluss auf die Strafverfolgung geltend, um diese kriminellen und vandalistischen Taten bestimmter Personen und der Organisation vor Gericht zu bringen.“

Es gab nachweislich Absprachen zwischen David Castillo und dem Innenministerium, an denen auch Jacobo Atala Zablah, Vorstandsmitglied von DESA, Vorsitzender der Bank BAC und einer der mutmaßlichen Auftraggeber des Mordes [gegen den jedoch bislang nicht ermittelt wird], beteiligt war.

„Don David für die Besprechung am Montag im Innenministerium wäre es gut, uns vorher zu treffen, um eine gemeinsame Position bezüglich der Unterstützung der Sicherheitskräfte zu diskutieren“, heißt es in einer Nachricht an Castillo. Dieser antwortet: „Richtig, um 7:30 Uhr in CAMOSA, siehe die Email, die Don Jacobo geschickt hat.“

Pedro Atala und David Castillo koordinierten das gemeinsame Vorgehen mit der Nationalpolizei, Castillo forderte Unterstützung an und Atala sicherte sie zu. Wie die Chats verraten, war Pedro Atala dafür zuständig, die Polizeipräsenz in den Stützpunkten des Unternehmens zu sichern, mit dem Ziel, die Aktionen, mit denen die Gemeinde Rio Blanco, angeführt von Berta Cáceres, ihre Rechte einforderte, zu unterdrücken.

„Pedro, der Kommissar Avila braucht weitere Hilfe von der Nationalpolizei“ „...für morgen ist es wichtig mit der PN gut vorbereitet zu sein“, schrieb Castillo in die Gruppe. [PN = Policía Nacional]

„Don Pedro, kannst du mir die Unterstützung der Polizei mit dem Kommissar Villanueva Mejía FÜR 5:00 UHR SCHON VOR ORT erwirken“, heißt es.

Das Verlesen der Nachrichten wurde vom Gericht unterbrochen, das das Lesen dieser Nachrichten für unnötig hielt. Die Nebenklage, die die Töchter und Mutter von Berta Cáceres vertritt, legte Widerspruch ein, da die Entscheidung die Überprüfung ihrer These beeinträchtigt, dass der Kontext der Angriffe, Verfolgung, Kriminalisierung und Abwertung, mit dem Berta Cáceres konfrontiert war, letztlich in ihrer Ermordung kulminierten. Das Gericht entschied, das Verlesen der Nachrichten, das von der Nebenklage gefordert wurde, teilweise zuzulassen. Das Verlesen der Nachrichten wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt.

Quelle: https://copinh.org/2021/05/juicio-contra-david-castillo-dia-11/

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