Gerichtsprozess gegen David Castillo, einen der Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

Tag 10 [6. Mai 2021]

"Daniel Atala: Einer der Verantwortlichen an dem Mord an Berta Cáceres muss strafrechtlich verfolgt werden." Quelle: COPINH

Vorbemerkung: Am 5.Mai wurde der Prozess plötzlich ausgesetzt, COPINH und das Honduras Solidarity Network befürchten, dass es hier einen Versuch gab, den Gerichtsprozess von außen zu beeinflussen, da es sich insbesondere um einen wichtigen Moment handelte, in dem die Kommunikationsdaten zwischen den Telefonen des Büros von DESA und von Daniel Atala untersucht werden sollten. (https://afgj.salsalabs.org/2021hondurasbertacaceres/index.html)

Die wichtigsten Punkte des Prozesstages

Am 6.Mai um 11:20 Uhr wurde der Prozess wieder aufgenommen.

Es wurden Whatsapp- und Textnachrichten von Daniel Atala, David Castillo, José Eduardo Atala, Carolina Castillo und Maria Fernanda Rivera vorgelesen. Die Nachrichten demonstrierten: Rassismus und Hass gegenüber Berta und dem COPINH, Versuche politischer Einflussnahme der Familie Atala Zablah auf Minister*innen, Richter*innen, Bürgermeister*innen, Staatsanwält*innen, Mitarbeiter*innen des Sekretatriats für natürliche Ressourcen und Umwelt (SERNA), den ehemaligen Präsidenten Porfirio Lobo und andere mit dem Ziel, Sicherheit und Unterstützung für das Projekt Agua Zarca zu gewinnen, Berta und andere strafrechtlich zu verfolgen und um Maßnahmen gegen den Widerstand in Rio Blanco zu ergreifen. Die Nachrichten zeigen auch, dass Regierungsbeamte bestochen wurden und die an der Baustelle des Staudammprojekts stationierten Polizisten mit Essen versorgt wurden. COPINH hat Auszüge aus den Chatprotokollen veröffentlicht.

Ein USB-Datenträger, der die von Sergio Rodriguez‘ Mobiltelefon extrahierten Daten enthalten sollte, wies ein geringeres Datenvolumen auf als der für die Datenextraktion zuständige Experte vermerkt hatte (statt 51,8 GB nur 37 GB). Das lässt entweder auf Manipulation des Beweismaterials oder einen eklatanten Fehler schließen. Castillos Verteidigung dringt darauf, dieses Beweismaterial auszuschließen. Die Nebenklage und die Anklage bestehen auf einer genaueren Untersuchung. Scheinbar wusste die Anklage bereits über das Fehlen der Daten Bescheid. Nach einer Debatte entscheiden die Richter*innen, dass das Beweismaterial untersucht werden soll.

Die Untersuchung der Telefondaten aus dem Telefon von Daniel Atala wird abgeschlossen. Am folgenden Tag sollen die Daten aus dem Telefon von Sergio Rodriguez näher untersucht werden. Der Prozess soll am 7. Mai um 13:30 Uhr fortgesetzt werden.

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/5/6/day-ten-trial-against-david-castillo (in englisch)

Die Anwältin Carmen Haydeé López, Mitglied der Beobachtungsmission im Fall Berta Cáceres, sagt im Interview mit der Journalistin Xiomara Orellana, dass die Chatprotokolle zeigen, dass nicht allein David Castillo Verantwortung für den Mord an Berta trägt. Die Nachrichten aus dem Jahr 2013 zeigten, dass Beteiligte sich politische Einflussnahme erkauft hätten und machten den Hass gegenüber dem COPINH deutlich. Es wären Indizien genug dafür, damit die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Mitglieder der Familie Atala einleiten sollte, aber dies würde nicht geschehen. Berta sei wegen ihrer politischen Arbeit ermordet worden, aber auch weil ihre gesamte Existenz eine Bedrohung für die Politik der Atala gewesen sei, die sich gegenüber Indigenen überlegen gefühlt hätten.

https://www.pscp.tv/w/1ynJOBRddVyGR

COPINH veröffentlicht einige der Chatprotokolle. In einer Whatsapp-Gruppe informiert David Castillo; „Martiniano Domínguez [damaliger Bürgermeister] hat den Präsidenten Lobo im Ministerrat gebeten, die illegale Besetzung von COPINH für den Staudamm Agua Zarca aufzulösen.“

Die Kommunikation, die David Castillo mit Daniel Atala Midence unterhielt, beweist, dass 10.000 Lempiras an einen Minister gezahlt wurden: „Denk daran, dass es nur noch 65 gibt, weil ich 10 für den Minister gebraucht habe“, schreibt Castillo an Atala Midence, „Er hat schon weitere 10 gefordert“, heißt es weiter.

Es wurde erneut bewiesen, wie Atala Midence den Einfluss und den Reichtum seiner Familie ausnutzte, um die strafrechtliche Verfolgung von Berta und anderer Führungspersonen von COPINH zu sichern und so ihren Kampf aufzuhalten. „Ich habe viel Geld und politisches Kapital ausgegeben, damit diese 3 Haftbefehle ausgestellt werden“, schreibt Atala in einer seiner Nachrichten. [Gemeint sind Haftbefehle gegen Berta Cáceres, Tomás Gómez und Aureliano Molina.]

Bertas Ermordung waren zahlreiche kriminelle Aktionen gegen sie vorausgegangen, sie und der COPINH wurden von Informanten ausgespäht. Douglas Bustillo bat Atala um die Bezahlung von Informanten: „Tag Danny ich würde gerne wissen, ob du mir tausend Lempiras überweisen kannst das sind 2 Wochen eines Informanten, weil er 500 pro Woche bekommt.“

COPINH kommt zu dem Schluss: „Die Verantwortung von Daniel Atala Midence für das Verbrechen an Berta Cáceres ist offensichtlich, die Beweise, die ihn damit in Verbindung bringen, sind erdrückend. Die honduranische Justiz muss handeln und eine strafrechtliche Verfolgung gegen ihn einleiten, damit diese Delikte nicht ungestraft bleiben.“

https://copinh.org/2021/05/juicio-contra-david-castillo-dia-10/ (in spanisch)

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