Solidarität heute und morgen

nahua script 15

(ea) Die neueste Veröffentlichung aus der Reihe der nahua scripte des Informationsbüros Wuppertal beschäftigt sich mit der Nicaragua-Solidarität. Die Broschüre stellt die Ergebnisse des gleichnamigen Seminars vom Oktober 2012 vor. Auch für Menschen, die bei der Veranstaltung mit über 100 Teilnehmer_innen, darunter viele junge Leute, und seinen vielen Referaten – die wichtigsten von den vier Referent_innen aus Nicaragua – nicht dabei waren, machen die hier präsentierten Texte sicherlich deutlich, wie interessant und umfassend damals das Thema Solidarität behandelt worden ist.
Im ersten Teil wird der Hintergrund beschrieben, vor dem die Solidarität mit Nicaragua heute stattfindet. Vier Artikel beleuchten wichtige Bereiche der aktuellen sozialen Situation. Berichtet wird über die Situation der Frauen, die geprägt ist von unverändert hoher Gewalt trotz des verbesserten strafrechtlichen Schutzes, und dem Leben mit dem totalen Abtreibungsverbot. Ein zweiter Artikel beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen des materiellen Lebens in Nicaragua und skizziert die Wirtschaftspolitik der Regierung Ortega. In dem Gegenüber von neoliberaler Weltmarktintegration und bemerkenswerten Sozialprogrammen, finanziert mit den Mitteln von ALBA, wird dem Kapitel Assoziierungsabkommen EU/Zentralamerika ein besonderer Platz eingeräumt. Anschließend folgt eine mehr ins Detail gehende Analyse zur ländlichen Entwicklung mit Informationen zum Kooperativenbereich und zur Organisation CIPRES, die die Entwicklung auf dem Land wissenschaftlich unterstützt. Im letzten Artikel des ersten Teils wird das globale Problem Umweltkrise/Klimawandel aus dem Blickwinkel der hauptsächlich Betroffenen, also des Südens, dargestellt.
Der zweite Teil der Broschüre beschäftigt sich umfassend mit Solidarität. Als erstes wird ein konkretes Solidaritätsprojekt dargestellt. Am Beispiel der Kampagne gegen giftige Ethanolgewinnung für Agrotreibstoffe kann man nachvollziehen, wie mühevoll es selbst in einem so offensichtlichen Fall wie diesem ist, untragbare Verhältnisse zu ändern, wenn sie mächtigen Interessen nützen. In einem zweiten Artikel erhält man einen kurzen Überblick über die Geschichte der deutschen Solidaritätsbewegung und was es für jemanden bedeutet, sich heute an die Nord-Süd-Problematik heranführen zu lassen, indem er/sie an einer Solidaritätsbrigade nach Nicaragua teilnimmt. Der interessanteste Teil des Buches ist sicherlich der letzte Artikel. Er gibt den Teil des Seminars wieder, bei dem das Thema „Solidarität heute und morgen“ abschließend zur Diskussion gestellt wurde. Die Beteiligten waren sich einig, dass zur Solidarität vor allem Austausch gehört, von einander lernen. Spannend war die Diskussion, weil die nicaraguanischen Gäste offensichtlich die ihnen zugedachte wichtige Rolle blendend ausgefüllt haben. Selbstbewusst boten sie an, ihre Erfahrungen mit „einem Leben auf der Basis von Solidarität“ den Freund_innen im Norden zu vermitteln. Auch ihre Überlegung, dass gerade jetzt, in der aktuellen tiefsten Krise des Kapitalismus, Austausch vom Süden in den Norden interessant wäre, wirkte überzeugend. Von den Partner_innen im Norden erwarten sie vor allem Solidarität mit den Menschen, die tagtäglich für ihr Überleben kämpfen.
Alles in allem eine anregende Lektüre, die Lust auf weitere Veranstaltungen dieser Art macht.




nahua script  15
Solidarität heute und morgen – Perspektiven  gegenseitiger Unterstützung,
Informationsbüro Nicaragua e. V.
100 Seiten, 5,- Euro

 

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