Verdammt lang her

Aufbruch nach Nicaragua

Aufbruch nach Nicaragua“, Deutsch-deutsche Solidarität im Systemwettstreit, Erika Harzer, Willi Volks, März 2008

[ea] Überraschung und leichtes Erschrecken stellen sich ein, wenn man dieses Buch aus dem Christoph Links Verlag liest. Überraschung weil wir, die deutsche Solidaritätsbewgung mit Nicaragua, offensichtlich dabei sind in die Geschichte einzugehen und leichtes Erschrecken weil in den dargestellten Erinnerungen aus der Zeit vor 20, 25 Jahren Dinge wieder lebendig werden, die einem einmal wichtig waren und die man fast schon vergessen hatte. Im Mittelpunkt des Buches stehen zwei Themen, die heute unheimlich weit weg sind: die Faszination, die die sandinistische Revolution damals in weiten Teilen Deutschlands ausgelöst hat und die Tatsache, dass es damals zwei Deutschlands gab und dass die Solidaritätsbewegung mit Nicaragua auch im Osten Deutschlands, in der damaligen DDR, etwas ganz besonderes war.

Besonders diese Details zum Thema Solidaritätsbewegung in der DDR machen das Buch lesenswert. Damit ist nicht die „offizielle“ Zusammenarbeit zwischen Nicaragua und der DDR gemeint: Krankenhaus Carlos Marx in Managua, polytechnisches Zentrum Ernst Thälmann in Jinotepe und die damals allgegenwärtigen LKWs der Marke IFA sind auch Nicaraguareisenden aus dem Westen ein Begriff gewesen. Gemeint sind die Erfahrungen von Willi Volks, Christoph Links u. a., die meist unter dem Schutzschild der evangelischen Kirche mühsam versuchten, individuelle solidarische Kontakte zu Gruppen in Nicaragua zu knüpfen. Dabei war auch das Ökumenische Büro als Mittler beteiligt, was ihm das Misstrauen der Stasi und Eintragungen in deren Akten einbrachte. Was uns heute lächerlich erscheint, konnte damals für die Gruppen in der DDR eine konkrete Bedrohung sein.

 

Erika Harzer, Willi Volks (Hg.): Aufbruch nach Nicaragua, Deutsch-deutsche Solidarität im Systemwettstreit, Christoph Links Verlag, Paperback, 248 Seiten, Euro 19,90
ISBN: 978-3-86153-525-6

 

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