Die USA als 15. Bezirk El Salvadors

 

Nicht ohne Grund werden die USA von SalvadorianerInnen häufig als 15. Bezirk El Salvadors bezeichnet. So finden sich beispielsweise in den Zeitungen unter der Rubrik 15. Bezirk die Nachrichten, welche die USA betreffen. Tatsächlich stellen die in den USA lebenden SalvadorianerInnen schon seit einiger Zeit nach den MexikanerInnen die zweitgrößte MigrantInnengruppe innerhalb der USA. Zur Zeit leben etwa 2,5 Millionen der knapp 9 Millionen SalvadorianerInnen in den USA, was in etwa einem Drittel der arbeitenden Bevölkerung El Salvadors entspricht. Allerdings verfügen nur ca. 1 Million über einen legalen Aufenthaltsstatus, während die übrigen 1,5 Millionen gezwungen sind, sich ohne Papiere in den Vereinigten Staaten aufzuhalten. Und obwohl die Einreise in die USA auf Grund sich ständig verschärfender Grenzüberwachungen immer schwieriger wird und im Durchschnitt nur jeder achte Versuch erfolgreich ist, versuchen nach wie vor viele SalvadorianerInnen auf immer gefährlicheren Wegen in die USA zu gelangen.

In der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich selbst und ihre Familien sind viele bereit, die Risiken dieser „Reise“ auf sich zu nehmen, und nicht selten sind sie gezwungen sich zu verschulden, um die coyotes bezahlen zu können. So kostet ein „Ticket“ ins „gelobte Land“ etwa 5000 US-Dollar. Für diejenigen, die es tatsächlich schaffen in die USA einzureisen, warten neue Schwierigkeiten: ein Leben im Versteckten, mit der ständigen Angst entdeckt und abgeschoben zu werden, prekäre Arbeitsbedingungen und oft mehrere schlecht bezahlte Jobs, um zumindest einen Teil des Einkommens an die in El Salvador gebliebenen Familien überweisen zu können.

Auf diese Überweisungen (remesas) sind viele Familien in El Salvador auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung dringend angewiesen. Nicht selten bedeuten sie für die Familien eine Verdoppelung des Familieneinkommens.

Doch nicht nur für die Familien, sondern auch für die salvadorianische Wirtschaft, spielen die remesas eine wichtige Rolle, da sie die wichtigste Deviseneinnahmequelle des salvadorianischen Staates sind und somit helfen das chronische Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Im Jahr 2002 wurden beispielsweise 1.935,2 Millionen US-Dollar nach El Salvador überwiesen, was 13,6 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Damit übertrafen die remesas sogar die Exporteinnahmen aus der Kaffee- und der Maquilaproduktion zusammen.

Inwieweit die remesas allerdings von volkswirtschaftlichem Nutzen für die salvadorianische Wirtschaft sind, kann in Frage gestellt werden. Neben dem direkten Verbrauch fließt ein Großteil des Geldes in Importwaren, die wiederum in erster Linie aus den USA kommen. Somit dienen sie vor allem der Aufrechterhaltung eines ohnehin prekären Status Quos.

 

 

(bw)
Die USA als 15. Bezirk El Salvadors
Erschienen in: Info-Blatt 62  des Ökumenischen Büros
München
Dezember 2003

 

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