Rundreise und Abendveranstaltung in München

Vom 16. November bis 8.Dezember haben wir vom Öku-Büro zwei Gäste aus El Salvador zu Gast. Diese werden uns kompetent und interessant über die Hintergründe der Gewalt in dem kleinen mittelamerikanischen Landes berichten und kritisch die Politik der aktuellen Regierung reflektieren. In diesem Zusammenhang organisiert das Ökumenische Büro eine Veranstaltungsrundreise durch mehrerer Städte in Deutschland.

Auf dem Wochenendseminar in Frankfurt haben wir die Möglichkeit, das Thema über drei Tage lang zu vertiefen.

In München werden Mario Guevara und Eduardo Amaya am 5. Dezember um 19 Uhr in der Ligsalz8 sein.

Als „gefährlichstes Land der Welt“ galt El Salvador in diesem Frühjahr in vielen Medien. Wir wollen uns beim diesjährigen Koordinationstreffen mit der ausufernden Bandenkriminalität, ihren Verbindungen mit dem organisierten Verbrechen und der Frage nach einer Sicherheitspolitik beschäftigen, die dem täglichen Morden Einhalt zu gebieten vermag.

Von der Gründungslegende der salvadorianischen Gangs, maras oder pandillas genannt, über die differenzierte Erforschung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ursachen bis zur Beschreibung der drei Großverbände Mara Salvatrucha (MS 13), Barrio 18 Sureños und Barrio 18 Revolucionarios wissen wir einiges, das wir zusammentragen wollen. Dabei interessiert uns auch die wachsende Verflechtung der Bandenkriminalität mit dem organisierten Verbrechen, dem lukrativen Handel mit Drogen, Menschen, Waffen und Diebesgut. Vor allem wollen wir aber auf der Suche nach Lösungen für ein scheinbar unlösbares Problem, die Sicherheitspolitiken diskutieren, die in den letzten knapp zwanzig Jahren in El Salvador versucht worden sind. Die Regierungen von Francisco Flores und Antonio Saca von der rechtsextremen ARENA-Partei betrieben von 1999 bis 2009 eine „Politik der harten Hand“, die ausschließlich auf Strafverfolgung und Repression setzte und keinen Gedanken an Prävention und Resozialisierung verschwendete. Das zeitigte keinen dauerhaften Erfolg, sondern füllte Friedhöfe und Gefängnisse und brachte das Militär zurück auf die Straßen, wo es nichts verloren hat.

So war es auch noch zu Beginn der ersten FMLN-Regierung unter Präsident Mauricio Funes, der bald nach Amtsantritt 2009 aus dem in der salvadorianischen Verfassung vorgesehenen Ausnahmefall, in dem das Militär in der öffentlichen Sicherheit eingesetzt werden kann, einen Dauerzustand machte. Parallel dazu wurden FMLN-Mitglieder aus einigen zentralen Positionen der Polizei entlassen. 2012 schließlich verkündeten die verfeindeten Mara-Gruppierungen einen unter anderem vom katholischen Militärbischof Fabio Reynaldo Colindres vermittelten „Waffenstillstand“, die sogenannte tregua. Während die Mordrate deutlich sank (bis auf 5 pro Tag im April 2013), konnten die maras ihre territoriale Kontrolle in weiten Teilen des Landes ausbauen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Februar und März 2014, die die FMLN erneut gewann, stieg sie wieder an und erreichte im August 2015 die traurige Höchstzahl von fast 30 Morden am Tag. Im September 2014 hatte der neue Präsident Salvador Sánchez Cerén einen „Nationalen Rat für Bürgersicherheit und Zusammenleben“ einberufen, der im Januar 2015 einen „Plan für ein sicheres El Salvador“ vorlegte. Dieser Plan sah hohe zusätzliche Ausgaben vor, rund zehn Mal soviel für die Gewaltprävention wie für die Verbrechensbekämpfung. Doch der Plan konnte auch aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden, und so ging das Morden unvermindert weiter beziehungsweise stieg noch weiter an. Immer mehr Menschen flohen vor der Gewalt und den Schutzgelderpressungen aus ihren Herkunftsorten.

Dann schaltete die FMLN-Regierung auf „harte Hand“, veranstaltete ein Stühlerücken im Polizei- und Sicherheitsapparat, und erreichte im Parlament eine satte Stimmenmehrheit für ein Paket von „außerordentlichen Maßnahmen“. Unter anderem mit einer neuen Spezialeingreiftruppe begann die Regierung die Befehlsstrukturen der pandillas anzugreifen. Mit einigem Erfolg (die tägliche Mordrate ist im Juni 2016 auf 11 zurückgegangen), doch zum hohen Preis einer verstärkten Einflussnahme des Militärs sowie zahlreicher Übergriffe der Sicherheitskräfte bis hin zu Vorwürfen extralegaler Hinrichtungen. Ob der „frontale Kampf“ gegen die maras die Lösung für das scheinbar unlösbare Problem der enormen Gewalt bringt, wollen wir von unseren Gästen aus El Salvador wissen.

Das sind Eduardo Amaya, der als Psychologe nicht nur in der Gewaltprävention, sondern auch direkt mit pandilleros und mareras gearbeitet hat, und Santos Guevara (Mario), der als Direktor der Entwicklungsorganisation der Vereinigten Gemeinden am unteren Ostufer des Lempa-Flusses berichten kann, was das Vordringen der Maras in seiner Region angerichtet hat – und was die Politik der „außerordentlichen Maßnahmen“ der FMLN-Regierung für die Menschen in seiner Region bedeutet. Beide kennen die Situation vor, während und nach der tregua, den schönen „Plan für ein sicheres El Salvador“ und die Lage der Jugendlichen in den und außerhalb der Maras.

Veranstaltungsort des Bundestreffens vom Fr. 25.11-So.27.11.
Haus der Jugend, Deutschherrnufer 12,
60594 Frankfurt, Tel. 069/6100 1599

Wegbeschreibung:
DB + öffentlich:
Durch den Haupteingang des Hauptbahnhofs, dann rechts zu den Bushaltestellen. Bus 46 Richtung „Mühlberg“ bis Haltestelle „Frankensteiner Platz“.

Alternativ: vorm Hauptbahnhof die Straßenbahn 16 Richtung „Offenbach Stadtgrenze“ bis Haltestelle „Lokalbahnhof“. Dreieichstraße nach Norden zum Main gehen. Nach links abbiegen auf die Straße „Deutschherrnufer“.

Eine detaillierte Wegbeschreibung, auch für AutofahrerInnen, gibt es unter
www.jugendherberge-frankfurt.de

Tagungsgebühr (inkl. Vollpension): 65,- Euro (ermäßigt 45 Euro) bei Unterbringung in Doppelzimmern: 85,- Euro

Anmeldungbis spätestens 15. Oktober 2016 an Karin van Bracht

E-Mail: karinvanbracht@web.de

Die Tagungsgebühr kann auf das Konto des Ökumenischen Büros überwiesen werden:

Bankverbindung:
Konto-Nr. 5617 62 58
Stadtsparkasse München
BLZ: 701 500 00
IBAN: DE65 7015 0000 0056 1762 58
SWIFT: SSKMDEMM

 

Gefördert von Engagement global im Auftrag des BMZ, vom Katholischen Fonds sowie aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt/Evangelischer Entwicklungsdienst.

Haus der Jugend, Deutschherrnufer 12, 60594 Frankfurt

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