Nach dem Mord an Berta Cácers: Kunstaktion vor die Siemens Zentrale

Kunstintervention am Wittelsbacherplat

8.3. um 18:30 in der Wittelsbacherplatz

#BertaCaceres

ermordet wegen ihres Widerstands gegen ein Projekt mit Beteiligung von Siemens

Am 3. März haben wir erfahren, dass die Koordinatorin des Rates der Indigenen von Honduras (COPINH), Berta Cáceres in der Nacht auf Donnerstag in ihrem Haus ermordet wurde. Berta Cáceres war eine engagierte Menschenrechtsverteidigerin. Unter anderem aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes gegen den Bau des Staudamms von Agua Zarca war sie und ihre Familie immer wieder Gegenstand von Todesdrohungen. An dem Projekt beteiligt sind unter anderem die deutschen Firmen Voith-Hydro und Siemens.

Berta Cáceres war eine enge Freundin des Ökumenischen Büros. Ihre feige Ermordung macht uns bestürzt und gleichzeitig wütend. Wir fragen uns, wie viele Menschen noch der Profitgier von skrupellos agierenden Unternehmen zum Opfer fallen müssen...

Trotz mehrfacher Aufforderungen an Siemens, die Entscheidung der Lenca-Indigenen gegen den Staudamm zu respektieren und aus dem Projekt auszusteigen, hat Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender, persönlich die Teilnahme von Siemens verteidigt. Auf Kritik wegen der Menschenrechtsverletzungen, Repression und Morde um das Projekt Agua Zarca, etwa bei den Aktionärshauptversammlungen der letzten drei Jahre, wurde geantwortet, das Projekt entspreche den Standards von Siemens. Hätte Siemens gehandelt wäre unsere Genossin und Freundin Berta vielleicht noch am Leben. Jetzt trägt der Konzern eine Mitschuld an ihrem Mord. Wir fordern von der deutschen Bundesregierung ein sofortiges Moratorium für alle Großprojekte mit Beteiligung von deutscher Firmen in Lateinamerika bis die deutliche Zustimmung der lokalen Bevölkerung vorliegt.

 

Wir verurteilen die Ermordung der indigenen Lenca-Aktivistin und Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres

06.03.2016 14:01

Berta Cáceres war ihr ganzes Leben aktiv in der Verteidigung territorialer und kultureller Rechte der indigenen, Garifuna- und bäuerlichen Bevölkerung von Honduras. Sie war landesweit und auf internationaler Ebene anerkannt als Menschenrechtsverteidigerin, besonders der Rechte von Frauen und Indigenen. Im Jahr 2015 wurde sie für ihren Kampf in der Verteidigung territorialer Rechte, natürlicher Ressourcen und Mutter Erde mit dem Goldman-Preis ausgezeichnet. Berta mit ihrer ganzheitlichen Weltanschauung, wie sie charakteristisch für indigene Kosmovisionen ist, solidarisierte sich stets mit der Sache anderer.

In den letzten Jahren war Berta von Belästigungen, Verfolgung, Einschüchterung, Stigmatisierung und Kriminalisierung betroffen – sowohl durch staatliche als auch durch nicht-staatliche Akteure. Geschuldet war das ihren Aktivitäten für die Verteidigung der Menschenrechte in einem Kontext, wo indigene Gemeinden sich Wasserkraft- und Bergbauprojekten auf ihren kollektiven Ländereien widersetzen, zu denen im Vorfeld keine freie und informierte Konsultation durchgeführt wurde und denen sie auch nicht zugestimmt haben.
Berta kämpfte besonders für die Zurückgewinnung der Ländereien der Lenca in Río Blanco, Intibucá, die durch den Bau des Agua Zarca-Staudamms, gefährdet waren. Den Bau führte das Unternehmen Desarrollos Energéticos S.A. de C.V. (DESA) mit honduranischer (FICOHSA-Bank) und internationaler Finanzierung durch – dazu gehörten Geldmittel aus den Niederlanden, Finnland und Deutschland.
 
DieInteramerikanische Menschenrechtskommission hatte seit 2009 Schutzmaßnahmen für Berta Cáceres angeordnet. Die Behörden kamen diesen Anordnungen nicht nach und setzten Berta somit einer großen Gefahr aus.

Anlässlich dieses tragischen Verbrechens, das die Menschlichkeit erschüttert:

1. Wir solidarisieren uns mit Bertas Familie, mit den Lenca und den Aktivist_innen von COPINH und mit allen sozialen Organisationen in Honduras, die heute in Trauer sind.

2. Wir verurteilen den Mord an Berta und wir fordern die honduranischen Autoritäten auf, alle notwendigen Ressourcen zu mobilisieren, um die Täter und die Verantwortlichen zu ermitteln, juristisch zur Verantwortung zu ziehen und zu bestrafen.
Weiterhin fordern wir sie auf, angemessene Maßnahmen der Wiedergutmachung durchzuführen, dazu gehört die öffentliche Würdigung des Gedenkens an Berta.

3. Wir fordern die honduranischen Institutionen auf, ihrer Aufgabe nachzukommen, den Schutz aller Personen zu garantieren, die in ihrem Land die Menschenrechte verteidigen und für die notwendige Implementierung des verabschiedeten Schutzgesetzes für Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen, Basisaktivist_innen (comunicadores sociales) und Justizpersonal Sorge zu tragen, damit sich solche Taten nicht wiederholen.

4. Wir ermahnen die internationale Gemeinschaft, diesen Mord zu verurteilen und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um zu sichern, dass der honduranische Staat seinen Menschenrechtsverpflichtungen nachkommt. Und wir fordern sie auf, eine Sorgfaltspflicht wahrzunehmen, um sicherzustellen, dass die bi- oder multilaterale finanzielle Unterstützung, die Honduras erhält, zum Respekt - und niemals zur Verletzung - der Menschenrechte beiträgt.


“In unseren Weltanschauungen sind wir Wesen, die aus der Erde, dem Wasser und dem Mais entstanden sind. Als Lenca sind wir seit Generationen Hüter der Flüsse, beschützt außerdem von den Geistern der Mädchen, die uns zeigen, dass auf verschiedene Weisen sein Leben für die Verteidigung der Flüsse zu geben, auch bedeutet, sein Leben für das Wohl der Menschheit und dieses Planeten zu geben.” Rede von Berta Cáceres bei der Preisverleihung des Goldman-Preises.

Weitere Infos:

www.oeku-buero.de

Zurück