Die Militarisierung der Grenzstadt und die Frauenmorde in Ciudad Juárez

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Informationsveranstaltung mit Veronica Corchado vom Netzwerk Pacto por la Cultura aus Ciudad Juárez zum Thema "Militarisierung der Grenzstadt und die aktuelle Situation der Frauenmorde"
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Kurz nach seiner Amtsübernahme hat Mexikos President Felipe Calderón den "Krieg gegen den Drogenhandel" erklärt. Für viele war das nicht nur eine missglückte Wortwahl. Das Militär auf die Straßen zu schicken, um polizeiliche Aufgaben zu übernehmen, war vielleicht der gröbste Fehler seine Amtszeit. Mit der Zeit wurde die Befürchtung Vieler bestätigt: Es ging nicht um eine Übernahme der Aufgaben der Polizei durch das Militär, sondern um eine Militarisierung des öffentliches Lebens an verschiedenen Punkten des Landes.
Parallel zur Präsenz der Soldaten auf den Straßen stieg auch die Anzahl der Exekutionen und die Gewalt im allgemeinen.
Berichte gehen von über 24.000 Ermordeten seit Ende 2006 aus. Auch die Anzahl der Anzeigen wegen Menschenrechtsverletzungen durch das Militär und die verschiedenen Polizeieinheiten ist enorm gestiegen.
Diese Situation hat am Anfang die Zivilgesellschaft in eine Art Schockzustand versetzt. Aber wie einige AktivistInnen uns in verschiedenen Gesprächen gesagt haben, wollten sie nicht zitternd warten, bis auch sie dran wären. Mit viel Mut und nicht weniger Risiko haben sie wieder das Wort ergriffen um ihre Ablehnung dieser Politik der Angst und des Schweigens deutlich zu machen. Dabei haben sie nicht nur gegen die Bedrohungen ihrer eigenen Unversehrtheit zu kämpfen. Sie werden auch durch die Medien und mittels Regierungserklärungen als eine Art VaterlandsveräterInnen dargestellt.
Die Meldungen in der hiesigen Presse darüber tendieren zur Skandalisierung, ohne die wahren
Hintergründe zu erwähnen und wirken so als Verstärkung der Informationslinie der mexikanischen Regierung.
Ciudad Juárez ist als eine der wichtigsten Grenzstädte zu den USA ein begehrter Übergang für den Drogenhandel, der mit allem Mitteln umkämpft wird. Ebenso wie in konventionellen Kriegen leidet die Zivilbevölkerung am meisten.
In den letzten Monaten haben die Massenexekutionen von Jugendlichen so drastisch zugenommen, dass einige von „jovenicidio" (Jugendmorde) sprechen.
Das Netzwerk "Pacto por la Cultura" besteht aus Kunstschaffenden, AkademikerInnen und Intellektuellen aus Ciudad Juárez, die sich seit geraumer Zeit mit den diversen Problemen der Grenzstadt auseinandersetzen. Sie sehen ihre Werke als eine Möglichkeit zur politischen Intervention.
Sie betrachten die Kulturarbeit aus einer Genderperspektive als unverzichtbar für Ihre Arbeit, die sie besonders mit Jugendlichen und Frauen machen.
Veronica Corchado ist Mitbegründerin von Pacto por la Cultura und mit ihrem 20-jährigen Engagement in verschiedenen Initiativen verfügt sie über die notwendigen Erfahrungen und Informationen, um über die immer komplexer werdende Situation in Ciudad Juárez zu berichten.
In den Vorträg wird sie auf folgende Themen eingehen:

  • Frauenmorde - mit Schwerpunkt auf die Entwicklungen nach der Verurteilung Mexikos durch den Interamerikanischen Gerichtshof.
  • Die Militarisierung der Grenzstadt und die aus ihr resultierenden Menschenrechtsverletzungen durch Militär und Polizei sowie der Alltag in einer Stadt im Kriegszustand.
  • Risiken und Chancen für ihre Interventionsarbeit mit Pacto por la Cultura

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