"Ernesto alias Ernst"

Ernesto alias Ernst

Ernesto Kroch wurde 1917 in Breslau geboren. Als junger Mensch erlebte er den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Nach der Machtübernahme 1933 schloss er sich einer Widerstandsgruppe an. Am 9. November 1934 wurde er deswegen verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer 18monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach deren Verbüßung kam er ins Konzentrationslager Lichtenburg. Anfang 1937 konnte er Deutschland verlassen und kam über Jugoslawien Ende 1938 nach Uruguay.

Auch dort blieb er politisch aktiv, engagierte sich im „Deutschen Antifaschistischen Komitee“, später in der Gewerkschaft und der Kommunistischen Partei. Als im Juni 1973 in Uruguay das Militär die Macht übernahm, arbeitete er wieder im Untergrund. Um seiner drohenden Verhaftung zu entgehen, nahm er 1982 den umgekehrten Fluchtweg, in die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1985 lebt Ernesto Kroch wieder in Montevideo und ist als engagierter Linker weiterhin in sozialen Basisorganisationen und im Umfeld des Linksbündnisses Frente Amplio aktiv. 2002 erschien seine Autobiographie „Heimat im Exil – Exil in der Heimat“ (Assoziation A)

In seinem Vortrag wird er über verschiedene Etappen und Gesichtspunkte seines langen politischen Lebens erzählen. Im Mittelpunkt steht seine politische Arbeit in Uruguay, die er, nachdem er entschieden hatte nach dem Krieg dort zu bleiben, gemäß seines Ansatzes sich dort zu engagieren wo man ist, von der Exilpolitik auf die Gewerkschafts- und Parteiarbeit verlagerte. Sowohl in Deutschland als auch nach seiner Rückkehr nach Uruguay blieb er aktiv und ist es noch, vor allem in der Stadtteilarbeit. In diesem Zusammenhang wird er über die Chancen und Herausforderungen berichten, die sich mit einer Frente-Amplio-Regierung und Pepe Mujica als Präsidenten ergeben. Einen kritischen Blick wird er außerdem auf den Umgang mit der Geschichte der beiden Länder richten, aus denen er fliehen musste.

Zu Beginn zeigen wir Martin Keßlers filmisches Kurzporträt „Ernesto alias Ernst“ und nach dem Vortrag hoffen wir auf eine spannende Diskussion.

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