Calle Santa Fe

Am 5. Oktober 1974 überfällt die chilenische Geheimpolizei DINA in Santiago de Chile das Haus in der Calle Santa Fe Nr. 725. Carmen Castillo lebt seit dem Militärputsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende im Untergrund und ist zu diesem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger.

Gleich zu Beginn des Schusswechsels verwundet, verliert sie das Bewusstsein. Zwei Genossen gelingt es zu fliehen. Ihr Partner Miguel Enriquez, Gründer und Generalsekretär des MIR, der »Bewegung der revolutionären Linken«, stirbt nach zwei Stunden im Schusswechsel. Dank des beherzten Einsatzes von Nachbarn wird Carmen Castillo in ein Krankenhaus gebracht. Sie überlebt die Folter und wird aufgrund internationaler Proteste nach Frankreich ausgewiesen. Rund dreißig Jahre später kehrt sie als Regisseurin an den Ort des dramatischen Geschehens zurück.

Immer wieder begibt sich der Film zum Haus in der Calle Santa Fe und den damit verbundenen Emotionen. Doch er ist kein Film der Erinnerung und Verehrung eines gefallenen Helden. Im Vordergrund steht die persönliche Reflexion der Bedeutung des politischen und bewaffneten Kampfes des MIR – für die Zeit der Unidad Popular und der Militärdiktatur ebenso wie für das neoliberale Chile von heute. Jenseits von Defätismus und Heroisierung fragt Castillo nach dem Sinn und dem Preis des bewaffneten Kampfes.

Carmen Castillo ist eine filmische Reflexion gelungen, die trotz aller Erinnerung fest im Hier und Jetzt Chiles verankert bleibt. Und damit ist der Film, obwohl er es ausdrücklich nicht sein soll, die wohl beste Hommage an Miguel Enriquez und den MIR.

Calle Santa Fe, Chile 2007, 35mm, 2h40,

Regie: Carmen Castillo

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