Gewalt gegen Journalisten in Mexiko dauert an, fünftes Todesopfer in zwei Monaten

Protest gegen Morde an Journalisten in Mexiko - einem der gefährlichsten Länder für Medienschaffende weltweit Quelle: desinformemonos.org

Mexiko-Stadt. Am 29. April ist der mexikanische Radioreporter Filiberto Àlvarez im Bundesstaat Morelos ermordet worden. Er ist der fünfte Journalist, der innerhalb der vergangenen zwei Monate in Mexiko getötet wurde.

Die Organisation Artículo 19, die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzt, veröffentlichte unlängst einen Bericht über "Journalismus im Widerstand". Darin heißt es, dass im Land seit dem Jahr 2000 insgesamt 125 Journalisten und Medienschaffende ermordet wurden. Bis heute sind davon nur drei Fälle aufgeklärt worden. Das macht Mexiko nach Angaben der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zum gefährlichsten Land für Journalisten in Lateinamerika. "Die mexikanische Presse steckt in einem Kreislauf aus Gewalt und Straflosigkeit fest", so das regionale Nachrichtenportal Nodal.

Der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) und der Weltverband für Verlage (WEF) nutzten die Aufmerksamkeit anlässlich des internationalen Tages für Pressefreiheit am 3. Mai, um dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto einen offenen Brief zu schreiben, in dem sie ihre Besorgnis über die aktuelle Situation ausdrückten und um ein Treffen mit dem Präsidenten baten.

Zum selben Anlass schickte das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) mit Sitz in den USA Empfehlungen zur Gewährleistung der Pressefreiheit an den Präsidenten, den Generalstaatsanwalt sowie die Behörden des Bundesstaates Veracruz. "Die Arbeit der Journalisten und Reporter bringt sie immer häufiger in Lebensgefahr", so das CPJ. Dass die Empfehlungen explizit auch an die Behörden in Veracruz gingen, ist kein Zufall: Dieser Bundesstaat ist in Lateinamerika der gefährlichste Ort für Journalisten.

Noé Zavaleta, Korrespondentin der mexikanischen Tageszeitung Proceso, betonte, dass es an politischem Willen und Motivation von Seiten der Regierung fehle, in den hunderten Fällen von Gewalt und Morden an Medienschaffenden für Aufklärung zu sorgen.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) bekräftigte im Rahmen des internationalen Gedenktages, dass Pressefreiheit unabdingbar für die journalistische Arbeit sei. In Mexiko werde sie aber unter anderem durch direkte Zensur mittels einer Gesetzgebung, die den internationalen Standards nicht entspreche oder durch das organisierte Verbrechen massiv eingeschränkt. Das mache sich im internationalen Vergleich bemerkbar: Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit steht Mexiko auf Platz 149 von 180 Ländern.

https://amerika21.de/2017/05/175656/tag-pressefreiheit-mexiko

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