Pepe Mujica gewinnt Präsidentschaftswahl in Uruguay
08.12.2009 16:50
Der Kleinbauer und Ex-Guerillero war zuvor Landwirtschaftsminister
Vor gut 15 Jahren, als José Mujica zum Abgeorneten im uruguayischen Parlament gewählt wurde, veröffentlichte eine Zeitung eine Karikatur, die ihn "eines Tages" als Präsident darstellte, für alle war dies nur ein netter Scherz des Zeichners. Sogar als José Mujica zum Landwirtschaftsmister in der Regierung von Tabaré Vázquez ernannt wurde, glaubten die meisten, der „Pepe" sei für sowas nicht gut.
So wollte es aber das Leben... und der 74jährige José "Pepe" Mujica vom Linksbündnis Frente Amplio (FA) ist neuer Präsident Uruguays. Er wird Tabaré Vázquez, der ebenfalls der FA angehört, am 1. März kommenden Jahres ablösen. Vizepräsident wird der ehemalige Wirtschaftsminister Danilo Astori, der zum konservativen Flügel innerhalb der FA gehört. Im ersten Wahlgang vor einem Monat hatte das Linksbündnis bereits die absolute Mehrheit in beiden Kammern erreicht.
Vor hunderttausenden feiernden Anhängern sprach Mujica seinen Dank aus und gelobte: "Das Herz der Macht ist in den großen Massen. Ich habe ein Leben gebraucht, um das zu lernen und dafür danke ich."
Mujica verfügt nicht über die typische Biografie eines Präsidenten: So war er ab den 1960er Jahren Mitglied der Tupamaros, der uruguayischen Stadtguerilla. Er überlebte – getroffen von sechs Kugeln – ein Feuergefecht und verbrachte 15 Jahre im Gefängnis, davon elf Jahre in Isolationshaft. Nach der Diktatur (1973-1985) war er Gründungsmitglied des politischen Arms der Guerilla, der Partei MPP, die sich der Frente Amplio anschloss. Seit 1994 war er Abgeordneter und seit der letzten Regierung 2004 war er Landwirtschaftsminister. Im politischen Alltag fällt er zudem durch seine rustikale Art auf, so lebt er immer noch auf
einem kleinen Bauernhof zusammen mit seiner Lebensgefährtin Lucía Topolansky, ebenfalls Abgeordnete der FA.
Die Linke in dem Land hat einen Grund zu feiern, jedoch belastet sie ein Trauma nach wie vor: Das Plebiszit zur Annullierung der Amnestie für Verbrechen von Polizei und Armee während der Diktatur, das geichzeitig mit der ersten Wahlrunde statt fand, ist gescheitert. Es ist ein heftiger Rückschlag für Menschenrechtsorganisationen und Opferverbände, zumal diese Kräfte durchaus optimistisch auf den Wahlabend blickten.
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