Ernesto Salmerón Auras de Guerra

(ea) Der nicaraguanische Künstler Ernesto Salmerón, der sich seit zehn Jahren mit der jüngsten Geschichte seines Landes auseinander setzt, nimmt mit „Auras de Guerra“ (Ausstrahlungen des Krieges) an der 52. Biennale in Venedig (10. Juni - 21. November 2007) teil.

„Auras de Guerra“ ist eine Installation, bestehend aus den beiden Teilen: „El Muro“ (Die Mauer) und „El Gringo“ (Der Ami). „El Muro“ ist ein zwei Tonnen schweres Stück einer halb verfallenen Mauer aus der Stadt Granada, auf dem die verblichene Kontur eines Kopfes von Sandino zu sehen ist. „El Gringo“ ist ein LKW der Marke IFA, ein Fabrikat der ehemaligen DDR. Diese robusten LKWs wurden in den 80er Jahren, zur Zeit der sandinistischen Regierung, sehr häufig verwendet, auch im militärischen Bereich im Kampf gegen die Contra. Auf dem LKW „El Gringo“ ist „El Muro“ in den letzten Monaten nach Venedig gereist.

Die Veranstalter_innen der 52. Biennale in Venedig haben Ernesto Salmerón eingeladen, nachdem er im November 2006 für „Auras de Guerra“ auf der 5. zentralamerikanischen Biennale den ersten Preis bekommen hatte. Damals, in San Salvador, waren auch David und Rigoberto dabei gewesen, zwei kriegsverletzte ehemalige Gegner vom sandinistischen Heer EPS und von der Contra. Gemeinsam bewachten sie die Mauer. Das Preisgeld hat Ernesto Salmerón dazu verwendet, die Organisation, der David und Rigoberto angehören, zu unterstützen. Für Ernesto Salmerón ist die Zusammenarbeit mit der Organisation der ehemaligen Kriegsteilnehmer_innen ein Teil seines Werkes.

„Auras de Guerra“ ist bisher in Nicaragua noch nicht öffentlich zu sehen gewesen. Im August vergangenen Jahres sollte „El Muro“ zusammen mit Fotos und Videos, die Salmeróns zehnjährige Beschäftigung mit den Themen Krieg, Revolution und Tod dokumentieren, im Kulturpalast in Managua gezeigt werden. Daraus wurde nichts. Die Verantwortlichen des Kulturpalastes verlangten den Rückzug einiger Fotos, auf denen direkte Anspielungen auf die FSLN, die MRS und Arnoldo Alemán zu sehen waren. Parteipropaganda sei im Kulturpalast untersagt. Der Künstler ließ sich diesen Akt der Zensur nicht gefallen und zog die gesamte Ausstellung zurück.

 

(ea)
Ernesto Salmerón Auras de Guerra
Erschienen in: Info-Blatt 70  des Ökumenischen Büros
München
Juli 2007

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