Der Konflikt in San Salvador Atenco (Bundesstaat México)

Am 22. Oktober 2001 erfuhren die Bewohner_innen der Kleinstadt San Salvador Atenco nahe Mexiko-Stadt aus den Medien von der Enteignung ihres Landes. Ohne vorherige Verhandlungen hatte die Regierung Fox am Vortag diesen Akt beschlossen, um einen neuen Großflughafen für die mexikanische Metropole zu bauen. Die Eigentümer_innen sollten mit nur sieben Pesos (heute etwa 50 Eurocent) je Quadratmeter „entschädigt“ und zwangsumgesiedelt werden. Dagegen organisierte die Frente de los Pueblos en Defensa de la Tierra (FPDT, etwa Front der Dörfer zur Verteidigung der Erde) militanten und erfolgreichen Widerstand: es gab keine Enteignungen, der Flughafen wurde nicht gebaut.

Der Konflikt zwischen der Regierung und der FPDT schwelte weiter. Verhandlungen scheiterten immer wieder und die FPDT wurde zu einer wichtigen Organisation innerhalb der vom EZLN initiierten „Otra Campaña“ (die "Andere Kampagne", vgl. Artikel im Infoblatt Nr. 68) zur landesweiten Vernetzung von Basisbewegungen. Am 3. April 2006 kam es schließlich auf der nahe gelegenen Autobahn wegen eines vordergründig nichtigen Anlasses zu einem massiven Gewaltausbruch in Form einer neunstündigen Straßenschlacht mit der Polizei. In deren Verlauf wurde ein Junge von der Polizei erschossen. Ein Student wurde von einer Tränengaskartusche so stark am Kopf verletzt, dass er Wochen später starb.

Mehrere Polizist_innen wurden von der FPDT in „Gewahrsam“ genommen. In den Morgenstunden des 4. April 2006 begannen schließlich 3.000 Polizist_innen die „Operación Rescate“ („Operation Rettung“) zur Befreiung ihrer Kolleg_innen.

 

(rr)
Der Konflikt in San Salvador Atenco (Bundesstaat México)
Erschienen in: Info-Blatt 70  des Ökumenischen Büros
München
Juli 2007

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