„Verzeihen ja, vergessen niemals“
Zum Gedenken an Herbert Anaya Sanabria
(bw) Im Rahmen des Bundestreffens der El Salvador-Solidarität wurde eine Gedenkstunde für Herbert Anaya Sanabria veranstaltet. Es war ein Anliegen der beiden Gäste aus El Salvador, kurz vor dem 17. Jahrestag des Mordes an Herbert Anaya Sanabria die Erinnerung an ihn wach zu halten.
Herbert Anaya Sanabria wurde am 26. Oktober 1987 ermordet, er war damals Vorsitzender der Menschenrechtskommission CDHES. Nach seinem Jurastudium in den 70er Jahren, wo er sich der StundentInnenorganisation AGEUS anschloss, gründete er mit anderen UniversitätsabsolventInnen die Menschenrechtsorganisation CDHES, die Menschenrechtskommission El Salvadors, die es sich zur Aufgabe machte, als regierungsunabhängige Kommission Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. In den 80er Jahren beteiligte sich Herbert Anaya an Aktivitäten der FMLN und nahm noch vor Friedensschluss seine Arbeit bei CDHES wieder auf. Zudem arbeitete er bei dem Komitee der Familienangehörigen der Verschwundenen und Ermordeten mit. 1986 wurde er das erste Mal verhaftet. Er war sechs Monate im Gefängnis, wo er auch gefoltert wurde. In dieser Zeit organisierte er sich in dem Komitee der politischen Gefangenen, das u. a. eine Untersuchung über Folter in Gefängnissen erstellte und publizierte. 1987 kam er aus dem Gefängnis und blieb trotz der ihm bewussten Gefahr, ermordet zu werden, im öffentlichen Leben. Im Oktober desselben Jahres wurde er im Alter von 33 Jahren vor seinem Haus erschossen.
Im folgenden veröffentlichen wir Ausschnitte aus einem „Testimonio“ von Rosa über ihren Vater:
„Ich halte es für wichtig, die Erinnerung an Herbert wach zu halten. Das gibt uns eine bessere Vorstellung von unserer Arbeit und den Gründen, warum wir sie heute machen. Es ist wichtig anzuerkennen, dass alle Menschen mit ihren Fehlern und Abwegen immer Menschen bleiben und Rechte haben.
Herbert hat uns gezeigt, dass Menschenrechte nicht nur gelesen und gesprochen werden, sondern gelebt und gefühlt und umgesetzt. Ihn hat nicht sein Schicksal getötet, auch nicht die Regierung, nicht die Todesschwadronen, nicht die Guerilla, nicht die Ungerechtigkeit und auch nicht die Kugeln in seinem Körper. Getötet hat ihn der Schrecken, so viele Kinder weinen zu sehen, der Schmerz der Gefolterten, die Angst der Mütter um ihre Verschwundenen, der letzte Atemzug der Ermordeten. Die Angst vor dem Hass unter den Menschen. Ihn hat die Frustration getötet, eine Wahrheit zu sagen zu so vielen, die sie nicht hören wollten. Verzeihen und vergessen sagt man uns heute. Verzeihen ja, denn wir müssen die gebrochenen Herzen reparieren, um weiter lieben zu können. Vergessen niemals. Denn das Vergessen dient dazu, die Seelen einschlafen zu lassen. Das Vergessen dient dazu, uns davon abzuhalten, aus den Erfahrungen und dem Leiden derer, die gestorben sind, zu lernen. Das historische Erinnern ist wichtig, um uns unserer Wurzeln bewusst zu sein. (...) Und vielleicht wird uns bewusst, dass jemand und etwas uns an einem Punkt der Geschichte „Ya basta“ sagen muss angesichts soviel sinnloser Gewalt. Das haben wir aus irgendeinem Grund jahrtausendelang nicht geschafft.
Warum erzähle ich euch das? Um euch daran zu erinnern, dass Herbert weiterlebt und weiterleben wird, bis es auf der Welt keinen Grund mehr gibt, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen.“
Derzeit ist ein Monument zur Erinnerung an Herbert Anaya Sanabria geplant. KunststudentInnen werden sich an der Herstellung beteiligen, die Gemeindeverwaltung von Mexicanos stellt das Gelände zur Verfügung und beteiligt sich an der Hälfte der Herstellungskosten von insgesamt 1.000 US-Dollar. Beim Bundestreffen wurde ein Teil des noch fehlenden Geldes gesammelt, einen weiteren Teil gab die Informationsstelle El Salvador den beiden Gästen nach El Salvador mit, damit die Arbeiten beginnen können.

Herbert Anaya Sanabria
(bw)
„Zum Gedenken an Herbert Anaya Sanabria“
Erschienen in: Info-Blatt 65 des Ökumenischen Büros
München
Dezember 2004
Förderung durch das