Tatsächliche Entlastungen


Ob es ein Beleg für die mangelnde Transparenz des „Entschuldungs“-Prozesses oder lediglich für den Hang der liberalen Regierung Nicaraguas zu Luftbuchungen ist, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass mittlerweile eine Diskussion darüber entbrannt ist, auf wie viel Restschulden Nicaragua sitzen bleibt und wie hoch entsprechend die Entlastung des Staatshaushaltes in den kommenden Jahren sein wird. Laut Informationen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beträgt der „Gegenwartswert“ der Entlastungen 3,3 Milliarden US$ („nominal“, d.h. unter Einbeziehung der theoretisch noch zu zahlenden Zinsen auf diese Kredite entspricht dies einer Entlastung von 4,5 Milliarden US$). Da die aktuellen Schulden des Landes auf rund 6,3 Milliarden US$ beziffert werden, ergibt sich daraus eine verbleibende Schuldenlast von 3 Milliarden US$. Demgegenüber weichen die Zahlen, die der nicaraguanische Finanzminister Eduardo Montealegre gegenüber der Tageszeitung „La Prensa“ am 24. Januar 2004 veröffentlichte, deutlich ab: Nach seinen Angaben beliefen sich die nominalen Verpflichtungen Nicaraguas vor der „Entschuldung“ auf 7,4 Milliarden US$. In Zukunft seien es nominal lediglich 2,537 Milliarden.
Entsprechend unklar ist der tatsächliche Effekt, den die Streichung von Schulden auf den jährlich zu erbringenden Schuldendienst haben wird. Während Montealegre Einsparungen von umgerechnet knapp 110 Millionen US$ jährlich prognostiziert, rechnet der nicaraguanische Wirtschaftswissenschaftler Adolfo Acevedo – auch aufgrund der Erfahrungen mit dem Schuldenmoratorium nach dem Hurrican „Mitch“ – damit, dass sich die tatsächliche Entlastung für das laufende Jahr auf lediglich 32 Millionen US$ belaufen wird. (El Nuevo Diario, 19.1.2004)
El Nuevo Diario, „Espejismo en condenación“, 19.1.2004 http://archivo.elnuevodiario.com.ni/2004/enero/19-enero-2004/nacional/nacional1.html


 

(AG Privatisierungen)
"Tatsächliche Entlastungen"
Erschienen in: Info-Blatt 63  des Ökumenischen Büros
München
April 2004

 

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