Exportprodukt der Zukunft: Kommunions-Oblaten
Das zentralamerikanische Freihandelsabkommens CAFTA und seine Auswirkungen auf Nicaragua
Die ersten offiziellen Verhandlungen zum Freihandelsabkommen CAFTA (Central
American Free Trade Area) zwischen den USA und den zentralamerikanischen
Staaten fanden im Januar 2003 in San José (Costa Rica) statt. Bereits Mitte
Dezember des gleichen Jahres wurde das Vertragswerk tatsächlich von fast allen
zentralamerikanischen Handelsministern unterzeichnet. Costa Rica, dem die
geforderte Privatisierung seiner öffentlichen Dienstleistungen widerstrebt, zog
im Januar nach. Im Frühjahr 2004 sollen die Präsidenten aller beteiligten
Staaten den CAFTA-Vertrag unterschreiben. Danach muss er nur noch von den
Parlamenten ratifiziert werden. Die äußerst zügigen CAFTA-Verhandlungen wurden
an der betroffenen Bevölkerung vorbei geführt. Dies äußert sich beispielsweise
durch extrem kurze Fristen für Stellungnahmen der Zivilgesellschaft. Durch die
Praxis, Beratungsdokumente teilweise nur im Internet oder in englischer Sprache
zu veröffentlichen, wurde eine breite Meinungsbildung zu CAFTA von vornherein
erschwert.
In den Verhandlungen mit Nicaragua war der zentrale Punkt die Subventionierung
der US-amerikanischen Landwirtschaft. Handelsminister Mario Arana sah Nicaragua
wegen der agrarischen Struktur seiner Wirtschaft schlechter gestellt als die
anderen zentralamerikanischen Staaten. Die landwirtschaftlichen Produkte wurden
in verschiedene „Körbe“ eingeteilt, die sich durch die Restlaufzeit der
nicaraguanischen Importzölle unterscheiden. Weizen, Eier und Tabak sollen
sofort gebührenfrei, Reis, Bohnen, Mais, Rindfleisch und Schweinefleisch
sollen erst nach 15 Jahren zollfrei einzuführen sein. Hingegen fordern Gruppen,
die CAFTA ablehnen, dass alles Getreide aus den Handelsvereinbarungen
ausgenommen wird.
Aber bei CAFTA geht es bei weitem nicht nur um die Landwirtschaft. Der
Soziologe Oscar René Vargas stellt fest: „Der entscheidende Punkt ist die
Privatisierung, vor allem die Privatisierung unseres Wassers.“ Laut Carlos
Pacheco vom Centro de Estudios Internacionales (CEI) wurden im Rahmen der
CAFTA-Verhandlungen Absprachen getroffen, die die Verwaltungen von mehr als
einem Drittel der nicaraguanischen Kreisstädte auffordern, das Management ihrer
Wasserversorgung dem Wettbewerb internationaler Gesellschaften zu öffnen.
Dieser Prozess ist dabei mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man diese
Wasserversorgungssysteme schon auf der Homepage der US-Handelszentrale
aufgelistet findet (www.ustr.gov). Die Beweggründe liegen für Oscar René Vargas
auf der Hand: „Laut ihren eigenen Feststellungen werden die Vereinigten Staaten
im Jahr 2010 nicht weniger als 18 % ihres Süßwassers aus Lateinamerika
beziehen, und vor allem Nicaragua wird ein äußerst wichtiges Herkunftsland
sein.“ Auch zahlreiche andere Dienstleistungen müssen laut Carlos Pacheco
aufgrund von CAFTA dem internationalen Wettbewerb geöffnet werden.
Im Gegenzug für die Öffnung zentralamerikanischer Märkte für US-Produkte wollen
die USA ihren Markt nur für sehr spezielle nicaraguanische Produkte öffnen.
Dazu gehören unter anderem auch so wichtige Massenprodukte wie
Kommunions-Oblaten. Der nicaraguanischen Oblaten-Ökonomie wird dank CAFTA ein
ausgesprochener Wachstums- und Zukunftsmarkt geöffnet.
(Die meisten Informationen sind der usamerikanische solipage:http://www.nicanet.org und
http://www.nicaragua-forum.de
entnommen.
Ab Mitte Mai ist im Ökumenischen Büro zu diesem Thema die Broschüre
„Kleinstaaten, gebraucht, günstig abzugeben – Freihandel in Zentralamerika“
erhältlich.)
(AG Privatisierungen)
"Exportprodukt der Zukunft: Kommunions-Oblaten"
Erschienen in: Info-Blatt 63 des Ökumenischen Büros
München
April 2004
Förderung durch das