Aufruf: Delegationsreise nach Honduras im Dezember 2010

„¡No se olviden de Honduras!“

Der Putsch in Honduras am 28. Juni 2009 stellte für die honduranische Bevölkerung einen Kristallisationspunkt in der Bewegung für soziale Gerechtigkeit und für eine Verschiebung der bestehenden Kräfteverhältnisse dar. Ungeachtet der massiven Repression verfolgt die Frente Nacional de Resistencia Popular (FNRP), ein Zusammenschluss sozialer Bewegungen und ziviler Organisationen, weiterhin ihre Kampagne für eine neue Verfassungsgebende Versammlung und stellt ihre Stärke und Einheit durch beeindruckende Mobilisierungen und dem Aufbau von landesweiten Strukturen unter Beweis. Neben ihrem Engagement für eine neue Verfassung fordert die Bewegung die Aufklärung der seit dem Putsch begangenen Verbrechen unter anderem durch eine unabhängige Wahrheitskommission.  

Während die Regierung Lobo und die meisten Medien dieser gewaltfreien Massenbewegung mit einer Mischung aus Totschweigen und Verleumdung begegnen, überlassen Justiz und Polizei die zahlreichen Morde an AktivistInnen der Frente – auch resistencia genannt - der Straflosigkeit.

Wie VertreterInnen der Bewegung in Honduras uns gegenüber immer wieder betonen, ist die resistencia dringend auf internationale Unterstützung angewiesen. Hier geht es nicht nur um die materielle Unterstützung ihrer Aktivitäten in Honduras, sondern vor allem um ihre Wahrnehmbarkeit in der weltweiten Öffentlichkeit. Diese ‚Öffentlichkeit’ akzeptiert anscheinend immer mehr, dass die honduranische Bevölkerung durch ein illegitimes und kriminelles Regime repräsentiert wird, dem gleichermaßen PutschistInnen wie OligarchInnen angehören. Die Forderungen der breit verankerten, gewaltfreien Demokratiebewegung werden nicht als legitime Interessensartikulation anerkannt, geschweige denn die Kritik an der Menschenrechtssituation ernst genommen.

Seit dem Amtsantritt von Porfirio Lobo im Januar diesen Jahres haben VertreterInnen von Menschenrechtsorganisationen und der resistencia dazu aufgefordert, Honduras nicht zu vergessen und die Bewegung durch Besuche und internationale Öffentlichkeitsarbeit - in unserem Fall in Europa - zu unterstützen.

Wir schlagen daher als einen Beitrag eine

 

Delegationsreise nach Honduras vom 6.-20.12.2010

 

vor.

 

Wir streben hierbei einen offenen Prozess an, den alle Teilnehmenden gemeinsam gestalten.

 

Bisher gibt es folgende Überlegungen:

 

 

Mögliche Ziele und Aufgaben der Delegation:

 

  • Begleitung und Dokumentation der Aktivitäten der Resistencia (z.B. Declaración Soberana, Constituyente)
  • Schutz für die AktivistInnen der resistencia, kritischer Medien und Menschenrechtsorganisationen durch die Demonstration internationaler Kontakte
  • Apoyo moral” (Jesus Garza) für die AktivistInnen (z.B. durch Besuche von Radios Comunitarias, MUCA in Bajo Aguán)
  • In Bajo Aguán recherchieren, inwieweit die dort mit Regierung und Großgrundbesitern erzielten Vereinbarungen eingehalten werden (Vorschlag von Berta Caceres, COPINH)
  • Mithilfe bei der Einrichtung einer Infrastruktur für Menschenrechtsbeobachtung
  • Untersuchung der Rolle der deutschen Außenpolitik in Honduras: Entwicklungszusammenarbeit, Friedrich Naumann Stiftung
  • Untersuchung der Rolle der EU in Honduras: Entwicklungszusammenarbeit, Assoziierungabkommen, Menschenrechtsverletzungen
  • Konfrontieren der Verantwortlichen mit den Recherche-Ergebnissen:
    • Nationales MR-Büro der honduranischen Regierung
    • VertreterInnen der Lobo-Regierung?
    • Deutsche Botschaft
    • Österreichische und/oder andere Vertretungen
    • EU-Vertretung
  • Verbreitung der Ergebnisse in Deutschland/Österreich/Europa (s.u.)
  • Arbeit für die Anerkennung der resistencia als legitime politische Kraft in Europa, Verbreitung von Kenntnis über deren Aktivitäten, z.B. Declaración Soberana
  • Zusammenarbeit mit europäischer Vertretung der FNRP und europäischen Organisationen der Honduras-Solidarität
  • Mobilisierung von politischer Unterstützung für die Resistencia in Europa
  • Förderung der Comisión de Verdad

 

 

 

Mögliche Aktivitäten/Besuche in Honduras:

 

  • In Tegucigalpa:
    • Internationale Vertretung der Resistencia: Carlos H. Reyes, Juan Barahona, Betty Matamoros, etc.
    • COFADEH (Komitee der Angehörigen Verschwundener in Honduras)
    • Weitere  Menschenrechtsorganisation(en)
    • FIAN Honduras
    • CHAAC (Organisation, die sich gegen die Freihandelsabkommen wendet, Mitglied der FNRP)
    • Bloque Popular (Linke Basisorganisation, Mitglied der FNRP)
    • Ausländische Vertretungen und honduranische Regierungsstellen, siehe Punkt Ziele/Aufgaben
  • Landesweit:
    • Indigene Gemeinden mit Präsenz von COPINH (Einladung von Berta Caceres)
    • Radios Comunitarias, initiiert von COPINH (Zacate Grande, Garifuna). Vorschlag von Lorena Zelaya: Einzelne könnten die Arbeit eines Radios für ein paar Tage begleiten.
    • Radio Progreso (resistencia-nahes Radio von Jesuiten, in El Progreso, Yoro, Vorschlag von Lorena Zelaya)
    • Gemeinden in der Region Santa Barbara: (Patronato Regional del Occidente PRO)
    • Bajo Aguán/MUCA: Wurden die mit der Regierung und den Großgrundbesitzern erzielten Vereinbarungen eingehalten? Militarisierung, Bedrohung?
    • Luteranische Gemeinden in Honduras (Kontakt über Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern)?
  • Am 18./19.12. Auswertungswochenende

 

 

Wer ist aufgerufen?

 

Wir freuen uns über Personen mit

  • Erfahrung in der internationalen Solidaritätsarbeit, Menschenrechtsarbeit und/oder öffentlichem Gewicht
  • Zeit und Energie für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Reise im Zeitraum mindestens bis Februar 2010
  • Teamfähigkeit und
  • guten Spanisch- und/oder Deutschkenntnissen.

 

 

 

Zum Ablauf:

 

Für den Vorbereitungsprozess schlagen wir ein eintägiges Treffen sowie ein gemeinsames Wochendende vor. Zur Koordination der entsprechenden Termine dient der folgende Link:

 

http://doodle.com/t38vghrt5gxbuccx

 

Aufgrund der zu erwartenden Distanzen zwischen den Teilnehmenden sollten soviele Aktivitäten wie möglich über Email- und Telefonkommunikation stattfinden.

 

An Kosten fallen die Flugtickets, Unterkunft, Verpflegung und Transport auf der Reise sowie Kosten für Vor- und Nachbereitung an. Da Organisation und Durchführung des Projekts in einem gemeinsamen Prozess stattfinden sollen, ist nicht an einen Unkostenbeitrag für Vorbereitung und Organisation gedacht. Es sollten aber die Möglichkeiten für Finanzierungsanträge sondiert und ausgeschöpft werden.

 

Noch zu entscheiden ist ferner, welche Arbeit im Anschluss an die Delegation in Deutschland/Österreich/Europa durchgeführt werden soll. Hierzu gab es bisher folgende Vorschläge:

  • Bericht als Broschüre
  • Pressearbeit: Eigene Artikel, Pressekonferenz, Kontakte zu JournalistInnen
  • Öffentliche Veranstaltungen, Slideshow
  • Anfrage an Bundesregierung über MdB
  • Weitere inhaltliche Zusammenarbeit zu den o.g. Themen

 

 

Über Rückfragen, Zusagen, Kommentare freuen sich:

 

Andrés Schmidt, nica@oeku-buero.de, 089/448 5945

Magdalena Heuwieser, lena.melena@yahoo.de, 0043/650 3773102

 

 

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