„¡No se olviden de Honduras!“
Der
Putsch in Honduras am 28. Juni 2009 stellte für die honduranische
Bevölkerung einen Kristallisationspunkt in der Bewegung für soziale
Gerechtigkeit und für eine Verschiebung der bestehenden Kräfteverhältnisse dar.
Ungeachtet der massiven Repression verfolgt die Frente Nacional de Resistencia
Popular (FNRP), ein Zusammenschluss sozialer Bewegungen und ziviler
Organisationen, weiterhin ihre Kampagne für eine neue Verfassungsgebende
Versammlung und stellt ihre Stärke und Einheit durch beeindruckende
Mobilisierungen und dem Aufbau von landesweiten Strukturen unter Beweis. Neben
ihrem Engagement für eine neue Verfassung fordert die Bewegung die Aufklärung
der seit dem Putsch begangenen Verbrechen unter anderem durch eine unabhängige
Wahrheitskommission.
Während die Regierung Lobo und die meisten Medien
dieser gewaltfreien Massenbewegung mit einer Mischung aus Totschweigen und
Verleumdung begegnen, überlassen Justiz und Polizei die zahlreichen Morde an
AktivistInnen der Frente – auch resistencia
genannt - der Straflosigkeit.
Wie VertreterInnen der Bewegung
in Honduras uns gegenüber immer wieder betonen, ist die resistencia dringend auf internationale Unterstützung angewiesen. Hier
geht es nicht nur um die materielle Unterstützung ihrer Aktivitäten in
Honduras, sondern vor allem um ihre Wahrnehmbarkeit in der weltweiten
Öffentlichkeit. Diese ‚Öffentlichkeit’ akzeptiert anscheinend immer mehr, dass
die honduranische Bevölkerung durch ein illegitimes und kriminelles Regime repräsentiert
wird, dem gleichermaßen PutschistInnen wie OligarchInnen angehören. Die
Forderungen der breit verankerten, gewaltfreien Demokratiebewegung werden nicht
als legitime Interessensartikulation anerkannt, geschweige denn die Kritik an
der Menschenrechtssituation ernst genommen.
Seit dem Amtsantritt von Porfirio
Lobo im Januar diesen Jahres haben VertreterInnen von
Menschenrechtsorganisationen und der resistencia
dazu aufgefordert, Honduras nicht zu vergessen und die Bewegung durch Besuche
und internationale Öffentlichkeitsarbeit - in unserem Fall in Europa - zu
unterstützen.
Wir schlagen daher als einen
Beitrag eine
Delegationsreise nach Honduras vom
6.-20.12.2010
vor.
Wir streben hierbei einen offenen Prozess an, den alle
Teilnehmenden gemeinsam gestalten.
Bisher gibt es folgende Überlegungen:
Mögliche Ziele und Aufgaben der Delegation:
- Begleitung
und Dokumentation der Aktivitäten der Resistencia (z.B. Declaración Soberana, Constituyente)
- Schutz
für die AktivistInnen der resistencia,
kritischer Medien und Menschenrechtsorganisationen durch die Demonstration
internationaler Kontakte
- “Apoyo
moral” (Jesus Garza) für die AktivistInnen (z.B. durch Besuche von
Radios Comunitarias, MUCA in Bajo Aguán)
- In
Bajo Aguán recherchieren, inwieweit die dort mit Regierung und
Großgrundbesitern erzielten Vereinbarungen eingehalten werden (Vorschlag
von Berta Caceres, COPINH)
- Mithilfe
bei der Einrichtung einer Infrastruktur für Menschenrechtsbeobachtung
- Untersuchung
der Rolle der deutschen Außenpolitik in Honduras: Entwicklungszusammenarbeit,
Friedrich Naumann Stiftung
- Untersuchung
der Rolle der EU in Honduras: Entwicklungszusammenarbeit,
Assoziierungabkommen, Menschenrechtsverletzungen
- Konfrontieren
der Verantwortlichen mit den Recherche-Ergebnissen:
- Nationales
MR-Büro der honduranischen Regierung
- VertreterInnen
der Lobo-Regierung?
- Deutsche
Botschaft
- Österreichische
und/oder andere Vertretungen
- EU-Vertretung
- Verbreitung
der Ergebnisse in Deutschland/Österreich/Europa (s.u.)
- Arbeit
für die Anerkennung der resistencia
als legitime politische Kraft in Europa, Verbreitung von Kenntnis über
deren Aktivitäten, z.B. Declaración Soberana
- Zusammenarbeit
mit europäischer Vertretung der FNRP und europäischen Organisationen der
Honduras-Solidarität
- Mobilisierung
von politischer Unterstützung für die Resistencia in Europa
- Förderung
der Comisión de Verdad
Mögliche Aktivitäten/Besuche in Honduras:
- In Tegucigalpa:
- Internationale Vertretung der
Resistencia: Carlos H. Reyes, Juan Barahona, Betty Matamoros, etc.
- COFADEH
(Komitee der Angehörigen Verschwundener in Honduras)
- Weitere
Menschenrechtsorganisation(en)
- FIAN
Honduras
- CHAAC
(Organisation, die sich gegen die Freihandelsabkommen wendet, Mitglied
der FNRP)
- Bloque
Popular (Linke Basisorganisation, Mitglied der FNRP)
- Ausländische
Vertretungen und honduranische Regierungsstellen, siehe Punkt
Ziele/Aufgaben
- …
- Landesweit:
- Indigene
Gemeinden mit Präsenz von COPINH (Einladung von Berta Caceres)
- Radios Comunitarias, initiiert von
COPINH (Zacate Grande, Garifuna). Vorschlag von Lorena Zelaya:
Einzelne könnten die Arbeit eines Radios für ein paar Tage begleiten.
- Radio Progreso (resistencia-nahes Radio von Jesuiten, in El Progreso, Yoro,
Vorschlag von Lorena Zelaya)
- Gemeinden in der Region Santa
Barbara: (Patronato Regional del Occidente PRO)
- Bajo
Aguán/MUCA: Wurden die mit der Regierung und den Großgrundbesitzern
erzielten Vereinbarungen eingehalten? Militarisierung, Bedrohung?
- Luteranische
Gemeinden in Honduras (Kontakt über Evangelisch-Lutherische Kirche
Bayern)?
- …
- Am
18./19.12. Auswertungswochenende
Wer ist aufgerufen?
Wir freuen uns
über Personen mit
- Erfahrung in der internationalen
Solidaritätsarbeit, Menschenrechtsarbeit und/oder öffentlichem Gewicht
- Zeit und Energie für Vorbereitung,
Durchführung und Nachbereitung der Reise im Zeitraum mindestens bis Februar
2010
- Teamfähigkeit und
- guten Spanisch- und/oder
Deutschkenntnissen.
Zum Ablauf:
Für den
Vorbereitungsprozess schlagen wir ein eintägiges Treffen sowie ein gemeinsames
Wochendende vor. Zur Koordination der entsprechenden Termine dient der folgende
Link:
http://doodle.com/t38vghrt5gxbuccx
Aufgrund der zu
erwartenden Distanzen zwischen den Teilnehmenden sollten soviele Aktivitäten
wie möglich über Email- und Telefonkommunikation stattfinden.
An Kosten fallen
die Flugtickets, Unterkunft, Verpflegung und Transport auf der Reise sowie
Kosten für Vor- und Nachbereitung an. Da Organisation und Durchführung des
Projekts in einem gemeinsamen Prozess stattfinden sollen, ist nicht an einen
Unkostenbeitrag für Vorbereitung und Organisation gedacht. Es sollten aber die
Möglichkeiten für Finanzierungsanträge sondiert und ausgeschöpft werden.
Noch zu
entscheiden ist ferner, welche Arbeit im Anschluss an die Delegation in
Deutschland/Österreich/Europa durchgeführt werden soll. Hierzu gab es bisher
folgende Vorschläge:
- Bericht als Broschüre
- Pressearbeit:
Eigene Artikel, Pressekonferenz, Kontakte zu JournalistInnen
- Öffentliche Veranstaltungen,
Slideshow
- Anfrage
an Bundesregierung über MdB
- Weitere
inhaltliche Zusammenarbeit zu den o.g. Themen
Über Rückfragen,
Zusagen, Kommentare freuen sich:
Andrés Schmidt, nica@oeku-buero.de,
089/448 5945
Magdalena Heuwieser, lena.melena@yahoo.de, 0043/650
3773102
Weiterlesen … Aufruf: Delegationsreise nach Honduras im Dezember 2010